Schauspieler Ben Becker über die Uraufführung der Punk-Revue "Stunde Null - Das Neue Berlin" und seine Auffassung von Punk

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"Mich erinnert Punk immer ein bisschen an Andy Warhol. Bei dem sagt man Pop-Art und jeder weiß bescheid, was gemeint ist, bei Punk hat das allerdings bisher keiner verstanden."
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Herr Becker, am 1. März wirken Sie mit bei der Punk-Revue "Stunde Null - Das neue Berlin" von Jochim Peter. Wie kamen Sie dazu?
Becker: Ja, das hat angefangen vor anderthalb Jahren, da habe ich Post gekriegt, einen etwas größeren Umschlag, ich mache den auf und da war ein Video für mich drin und lauter verrücktes Zeugs. Unter anderem Briefe an Guido Westerwelle, an die BMW-Gruppe - und ich musste tierisch lachen und fand das sehr komisch. Das Video war ein zusammengeschnittener Werbefilm, den die Stadt Berlin herausgebracht hat über den Potsdamer Platz, diese Trabantenstadt, die sie da hochgezogen haben. Den Film hatte der Absender zusammengeschnitten mit einem Film den ich leider nie ganz gesehen habe, nämlich "Was wäre wenn Adolf Hitler überlebt hätte.." Ich fand das gar nicht doof, eine zynische Art von Humor, aber an der richtigen Stelle. Und dann habe ich mich entschlossen den Absender anzurufen. Ja und was Joachim Peter macht ist vielleicht nicht leicht zu verstehen, aber es geht um Fragen, wie definieren sich Deutsche innerhalb ihrer Geschichte, wo sind wir, wo waren wir - und alles ein bisschen auf links gezogen.
Und wo sind wir?
Becker: Jetzt sind wir angekommen an dem neuen Potsdamer Platz, an dem wiedervereinigten Berlin. Das ist natürlich auch ein brisantes Thema, wo sind wir mit unseren Freunden, den Amerikanern, wo bewegen wir uns, welche Rolle spielt überhaupt die Globalisierung auch innerhalb der Kriegsmaschinerie, die momentan läuft, ausgelöst durch den 11. September ... Das ist momentan eine ganz spannende Zeit und es ist spannend, wie sich die Leute damit auseinandersetzen, deswegen mache ich auch mit bei "Stunde Null".
Wie kommt es dazu, dass Sie am Ende der Punk-Revue ein Gedicht von Josef Stalin vortragen?
Becker: Um das zu erklären, müssten wir jetzt wahrscheinlich zwei Stunden am Küchentisch sitzen und das ganze Stück durchwälzen, dann könnte ich erklären, wieso das an der Stelle kommt. Ich selber habe das Stück ja nicht entworfen, aber was sich Joachim Peter da ausgedacht hat wird für mich im Laufe der Proben immer abgefahrener aber auch immer logischer.
Sind Sie ein großer Punk-Fan?
Becker: Als ich mit Punk angefangen habe da war ich 12, 13. Jetzt bin ich 37, eine lange Zeit, aber ich habe mit Punk bis heute nicht aufgehört. Ich sehe Punk ungefähr so wie Pop-Art. Mich erinnert Punk auch immer ein bisschen an Andy Warhol. Bei Andy Warhol sagt man Pop-Art und jeder weiß bescheid, was gemeint ist, bei Punk hat das allerdings bisher keiner verstanden. Punk ist für mich Spaß und Verrücktheit, Dinge zu benutzen und sie zu entfremden, eine Kunstform. Mit Steineschmeißen und randalieren hat das für mich überhaupt nichts zu tun.
Aber doch eine sehr provokative Kunstform, oder?
Becker: Ein stückweit auf jeden Fall, aber selbst Franz-Josef Strauss hat mal gesagt: Kunst muss provokativ sein.
Wie ist denn nun Ihr aktueller persönlicher Standpunkt zum Potsdamer Platz?
Becker: Ich habe ja schon mal eine Rede zu diesem Thema gehalten, beim Theater-Sommerfest, wo ich schon angefangen habe, gegen Architekten und Großkapital zu wettern, allerdings auch auf eine komische Art und Weise. Ich habe gesagt, es wäre nur eine Frage der Zeit, bis in diesen komischen Wasser-Bassins das erste Kind ertrinkt, oder ich habe die Leute gefragt, ob sie nicht auch über diese komischen Stufen gestolpert sind, die überhaupt keinen Sinn machen. Berliner bewegen sich ja ziemlich wenig am Potsdamer Platz, das ist ja schon eher eine Touristenmeile geworden. Man hat diesen Platz damals so schnell aus dem Boden gestampft, vor allem auch wegen Prestige. Aber wie viele Milliarden Mark Schulden hat diese Stadt? Da frage ich ganz naiv: Was macht Ihr da eigentlich?
Sie leben in Berlin, was gibt es im Moment für Sie hier Positives?
Becker: Es ist sehr spannend, was in dieser Stadt passiert, wie sie sich entwickelt. Ich finde auch, meine Generation hat hier in diesen letzten 10 Jahren das erste Mal Geschichte zum Anfassen erlebt, das macht mir Spaß. Man sollte jetzt aber versuchen, nicht immer nur in so einer Superlative zu existieren, sondern auch das hervorheben, was diese Stadt eigentlich mal ausgemacht hat, die Künstler, Maler, das Verrückte - eben die Wildheit dieser Stadt.

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