Kurz vor seinem 105. Geburtstag vorigen Freitag hat der Entertainer Johannes „Jopie“ Heesters Kritik auf sich gezogen, indem er Adolf Hitler im holländischen Fernsehen als „guten Kerl“ bezeichnete.
In der satirischen Rubrik der Show „De Wereld draait door“ des TV-Senders VARA war Heesters nach seinen Erinnerungen an Hitler befragt worden. Heesters bejahte die Frage, ob Hitler ein „netter Bursche“ gewesen sei. Er sagte: „Adolf Hitler, ja Gott, ich kenn den Mann wenig. Ein Kerl, weißt du, das war er, ein guter Kerl.“ Daraufhin griff seine Frau Simone Rethel-Heesters ein: „Jopie, was redest Du? Das war doch kein guter Kerl, der Hitler! Hitler war der größte Verbrecher auf der ganzen Welt!“ Auf Youtube kann man sich den Ausschnitt aus der Fernsehsendung anschauen.
Rethel-Heesters empörte sich anschließend über die „perfiden Fragen“ und beklagte, dass ihr schwerhöriger und fast blinder Mann von dem Comedy-Sender „hereingelegt“ und ihm die Antwort quasi „in den Mund“ gelegt worden sei. Eine Sprecherin des Senders erwiderte daraufhin: „Heesters bekam vier Mal die Gelegenheit zu reagieren. Wir haben ihm nichts in den Mund gelegt“.
In der niederländischen Show, die jeden Abend von 19.30 bis 20.15 Uhr ausgetrahlt wird, konfrontieren zwei Reporter Prominente mit frechen und oft respektlosen Fragen.
Die Frankfurter Rundschau diskutierte Heesters' Äußerungen mit dem niederländischen Autor Leon de Winter , der in dem Interview sagt: „Es bedarf keines holländischen TV-Moderators, um Heesters als Dummkopf dastehen zu lassen. Das schafft er seit jeher selbst.“ Heesters verkörpere das größte Trauma der niederländischen Geschichte: die stille Kooperation der Niederländer mit den Nazis während der Besatzung, als 80 Prozent der holländischen Juden ermordet, und es das Verlangen gegeben habe, „nichts wissen, nichts sehen, nichts begreifen zu wollen.“
Autor: Tobias Goltz
17:36 Uhr, am 08. Dezember 2008 | Sylvia Leipnitz
Ich denke, dass die Rolle von Heesters in der Nazi-Zeit immer sehr in den Hintergrund gedrängt wurde, um nicht deutlich zu machen, wie sehr er sich in seiner Haltung des \\\"nichts wissen, nichts sehen, nichts begreifen wollen\\\" zumindest moralisch schuldig machte. Die Äußerungen in diesem Interview - das ist für mich der wahre Heesters, und ich bin froh, dass das noch einmal hier deutlich gemacht wird.
» Ich kann mich nicht selbst inszenieren, dafür bin ich nicht selbstbewusst genug.«
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