Schauspielerin Chiara Schoras über ihre Rolle in "Vaya con Dios" (für die sie, wie Filmkollege Daniel Brühl, mit dem Bayerischen Filmpreis ausgezeichnet wurde), Musik als Medizin und wieso sie von einer Freundin Olivia genannt wird

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Im Film "Vaya con Dios" zeigst du dem jungen Mönch Arbo den Weg zur Selbstbestimmung. Übernehmen Frauen diesen Job auch in wirklichen Beziehungen?
Schoras: Ich glaube, dass dieser Job in einer Beziehung gut verteilt ist. Frauen handeln zwar instinktiver, aus dem Bauch heraus, aber sonst sind Mann und Frau da nicht besonders verschieden.
Im Film heißt deine Figur wie du: Chiara. Ist das Zufall?
Schoras: Nein. Meine Figur hat bestimmt drei, vier Namen gehabt. Und irgendwann kam Zoltan Spirandelli, der Regisseur, zu mir, und fragte mich, ob sie meinen Namen verwenden können. Am Anfang war das schon komisch. Aber wenn sie das glücklich gemacht hat...
Was fandest du an deiner Rolle spannend?
Schoras: Zuerst hat mich das Buch interessiert. Ich lese Drehbücher wie Romane und hoffe, auf eine andere Welt zu stoßen. Das Drehbuch ist die perfekte Mischung aus Komik, Skurrilität und Gefühl. Ausschlaggebend war jedoch auch die Rolle. Anfangs verfolgt Chiara ihre Karriere zielstrebig bis kleine Brüche kommen und sie sich langsam entwickelt. Sie entdeckt, dass es noch etwas anderes gibt. Sie durchläuft also einen ähnlichen Prozess wie die Mönche. Bezüglich Arbo: zuerst ist es für sie ein Spiel, ihn mit dem anderen Geschlecht zu konfrontieren, dann wird es ernst. Sie entscheidet sich letztendlich für die Freiheit.
Warum zögert Chiara nicht sich zu verändern?
Schoras: Das liegt an dem Vorsprung, den sie hat, dass sie andere Sachen kennt als er und dass sie sich mehr traut. Es ist nicht das erste Mal, dass sie sich verliebt und hat deshalb weniger Angst, sich fallen zu lassen.
Was glaubst du, wäre Chiaras nächster Job nach dem Film?
Schoras: Sie wird erst einmal viel herum reisen und Fotos machen und sich viel offen halten. Irgendwann wird sie Fotografin.
Im Film lernen die Charaktere, ihrer innere Stimme zu folgen. Schaffst du das in deinem Leben auch?
Schoras: Ich versuche immer, aus dem Bauch heraus zu entscheiden. Meistens bin ich unfähig taktisch zu sein. Es gibt jedoch Situationen im Leben, wo das nützlich wäre. Auch im Privaten versuche ich, meinem Herz zu folgen.
Ist dir Musik genauso wichtig wie den Kantorianer-Mönchen?
Schoras: Musik ist total wichtig für mich. Ich singe auch selbst. So zum Beispiel den Titelsong. Musik ist meine absolute Medizin. Mit der Musik, die ich höre, drücke ich meine Gefühle aus. Mein Rucksack dort ist voller Kassetten.
Du hast mit Daniel Brühl bereits in Honolulu gespielt. Wie war eure zweite Begegnung?
Schoras: Die Begegnung während der Honolulu-Dreharbeiten war sehr kurz. Wir hatten nur drei Drehtage. Obwohl wir intime Szenen hatten, war es nicht wirklich intensiv. Die zweite Begegnung war die wichtigere. Wir haben Tag und Nacht zusammen gearbeitet. Ich habe Daniel erst bei diesen Dreharbeiten richtig kennen gelernt. Es war sehr schön, ihn wieder zu sehen und mit ihm zusammen zu arbeiten.
Vor kurzem lief "Alicia", der Pilotfilm zu einer Serie, in der du eine chaotische Privatdetektivin spielst. Spürst du starken Druck, eine hohe Quote zu erreichen, damit "Alicia" in Serie gehen kann?
Schoras: Es gibt natürlich Kollegen, die davor zittern. Es soll dem Publikum überlassen sein, ob es weiter geht. Ich glaube, der Pilot hatte eine ziemlich schlechte Quote. Jetzt sitzen die Verantwortlichen zusammen und beraten über das Schicksal von "Alicia". Wenn es nicht weiter geht, freue ich mich genauso. Dann könnte ich andere Filme drehen.
Drehst du lieber Kinofilme oder fur's Fernsehen?
Schoras: Nur Kinofilme zu drehen können wir Schauspieler uns nicht leisten. Man dreht öfter Fernsehfilme, als es gute Kinoprojekte gibt. Ich habe auch schon schöne Fernsehfilme gedreht und die Unterschiede zwischen guten Fernseh- und Kinofilmen verwaschen. Es gibt Proben und die Drehtage gleichen sich an. Deutsche Schauspieler, die nur Kino machen, gibt es nicht.
Was macht für dich eine gute Komödie aus?
Schoras: Es hängt viel an der Inszenierung und am Schnitt. Es ist eine Kunst, gute Momente festhalten zu können. Je skurriler, desto besser. Alicia rennt zum Beispiel überall dagegen, tritt immer in Fettnäpfchen. Das Timing ist ganz wichtig. Die Mischung mit ruhigen Momenten ist auch schön. Gut ist es, wenn es sich nicht nur um trashige Komik handelt und es wieder umkippt.
Wie passt denn "Vaya con Dios" in die deutsche Komödienlandschaft?
Schoras: "Vaya con Dios" ist keine typische deutsche Komödie. So einen Film bekommt man nicht jeden Tag zu sehen. Das ist kein platter Slapstick, sondern Situationskomik, die tiefer geht. Aber deutsche Komödienlandschaft...
Na, schaust du dir denn deutsche Komödien an?
Schoras: So gut wie keine. Durch Zufall ist es passiert, dass ich "Was tun, wenn's brennt" gesehen habe. Sonst finde ich das nicht so spannend.
Das Leben ist ein Comic - und wer bist du?
Schoras: (denkt nach) Mein Freund ist ein großer Comic-Fan. Ich bin also gerade dabei, über Comics zu lernen. Es muss irgend etwas Komisches sein. Ich muss kurz überlegen... ja, Spiderman bin ich, den finde ich gut.
Du erinnerst mich an Olivia...
Schoras: (überrascht) Eine Freundin von mir nennt mich Olivia! Als sie mich kennen gelernt hat, war ich noch dünner. Wahrscheinlich nennt sie mich so, weil ich so schlaksig bin und seltsam laufe. Kannst mich auch Olivia nennen...
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