12. November 2007
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Regisseur Florian Baxmeyer über seine Verfilmung von "Die Drei Fragezeichen und das Geheimnis der Geisterinsel", Unterschiede zum Hörspiel-Original und einen Drehbuchfehler

© Buena Vista International
Florian Baxmeyer absolvierte 2000-2002 die Hamburger Filmhochschule im Fach Regie. Für seinen Abschlussfilm Die rote Jacke wurde er für den Oscar in der Kategorie „Short Film“ nominiert. Zudem wurde er mit dem "Studenten-Oscar" und dem "Studio Hamburg Nachwuchspreis" ausgezeichnet. Die mit über 7 Millionen Euro teure Produktion "Die drei ??? – Das Geheimnis der Geisterinsel" war bislang sein größtes Regieprojekt. Das folgende Interview enstand im November 2007 kurz vor Kinostart in Berlin.

"Wir mussten Bilder für etwas finden, für das viele Leute über 20 Jahre lang ihre eigenen Bilder entwickelt haben. "
Voriges Zitat"Ich fand es als Kind immer total toll, dass die Drei ??? im Hauptquartier einen Anrufbeantworter hatten. "
Voriges Zitat""
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Herr Baxmeyer, nach einem Studenten-Oscar, einer Oscar-Nominierung im Bereich Kurzfilm und dem ersten „Tatort“ folgt nun Ihr Kinodebüt mit den „Drei Fragezeichen“. Eine schnelle Karriere?
Baxmeyer: Ja, schon. Aber das Gute ist, dass ich eigentlich immer gearbeitet habe und so viel zu tun hatte, dass ich darüber gar nicht so viel nachdenken konnte.
Sie sind selbst mit den „Drei Fragezeichen“ aufgewachsen. Ist dieser Film daher etwas ganz Besonderes für Sie?
Baxmeyer: Auf jeden Fall. Ich habe früher alle Kassetten gehabt. Allerdings bin ich niemand, der diese Leidenschaft mit ins Erwachsenenalter rein genommen hat. Aber dass man mir angeboten hat, mit den „Drei Fragezeichen“ meinen ersten Kinofilm zu drehen, war schon toll.
Wann hat man Sie gefragt?
Baxmeyer: Ich war noch in Hamburg auf der Filmhochschule und zufällig bei Studio Hamburg auf dem Gelände. Dort habe ich Ronald Kruschak, den Producer, getroffen, und er erzählte mir, dass er gerade die Rechte an den „Drei Fragezeichen“ erworben hatte. Ich sagte: „Das ist ja geil“ und habe gleich etwas aus der Folge „Der grüne Geist“ zitiert. Das haben sie sich irgendwie gemerkt und mich dann zwei Jahre später angerufen und gefragt, ob ich Lust hätte, das zu machen.
Eine Fernsehproduktion ist ein Riesenunterschied zu einer solch gewaltigen Kinoproduktion internationalen Ausmaßes. Hatten Sie zu keiner Zeit das Gefühl, überfordert zu sein?
Baxmeyer: Nein, nicht so wirklich. Denn ich hatte die Möglichkeit, mich super vorzubereiten. Wir konnten mit den Darstellern ausführlich proben und haben das Ganze lange entwickelt. Es war einfach viel mehr Zeit da als bei einem Fernsehfilm. Insofern war es fast leichter.
Es gibt viele Menschen, die mit den „Drei Fragezeichen“ so wahnsinnig viel verbinden und denen man mit einem solchen Film irgendwie auch gerecht werden muss. Hatten Sie Bammel davor?
Baxmeyer: Man denkt von Tag zu Tag und arbeitet an dem Film, da kann man nicht ständig darüber nachdenken, was für eine Verantwortung man mit sich herumträgt. Aber klar: Man muss Bilder für etwas finden, für das viele Leute über 20 Jahre lang ihre eigenen Bilder entwickelt haben. Das Phänomen der Kassetten ist auf den Film nicht so leicht übertragbar.
Inwiefern haben die „Drei Fragezeichen“ aus dem Film denn noch etwas mit den „Drei Fragezeichen“ aus den Büchern und den Hörspielen zu tun?
Baxmeyer: Ich glaube, dass wir dem Grundgedanken der „Drei Fragezeichen“ – nämlich der Freundschaft der drei Jungs – in jedem Fall treu geblieben sind, die Charaktere sind dieselben. Es gab allerdings die Entscheidung, den Film nicht – wie das Buch – historisch in den 60er Jahren spielen zu lassen. Und das verändert schon einiges: in Hinblick auf den Ton der Geschichte, das Erzähltempo und die ganze Welt, in der sie leben. Ich fand es als Kind zum Beispiel immer total toll, dass sie im Hauptquartier einen Anrufbeantworter hatten. Heute ist das einfach nicht mehr so spektakulär. Wir mussten also alles ein bisschen anpassen. Auch die Figuren: Gerade Bob Andrews ist in den Büchern eine relativ unentwickelte Figur gewesen. Justus war der Altkluge, Peter der Sportliche, Bob hingegen war immer nur „Recherchen und Archiv“. Insofern haben wir uns erlaubt, den Dreien ein bisschen mehr Farbe zu geben.
Wonach haben Sie die drei Darsteller der „Drei Fragezeichen“ ausgewählt?
Baxmeyer: Wir haben uns für diejenigen entschieden, von denen wir dachten, dass sie am besten zueinander passen. Es war ein sehr, sehr langes Casting. Wir haben in England, in Südafrika, in Amerika und in Deutschland gesucht. In den Büchern kommen die Jungs ja aus Kalifornien. Daher haben wir schlussendlich festgestellt, dass es Jungs aus Kalifornien sein müssen, weil sie mit ihrer Mentalität ganz anders sind als andere Kinder woanders auf der Welt. In Los Angeles hat man einen großen Pool an jungen, talentierten, erfahrenen Schauspielern, das war sehr hilfreich. Sie passen auch einfach perfekt zu den Rollen. Chancellor [Chancellor Miller, der Darsteller von „Justus Jonas“, Anm.] war beim Casting richtig schön pummelig – er war für die Rolle also genau der Richtige. Als er nach Südafrika an den Set kam, hatte er jedoch abgenommen. Das war ein kleiner Schock für uns…
Wie sind sie damit umgegangen?
Baxmeyer: Wir haben kurz überlegt, ob wir ihn mästen sollen, vielleicht mit Gänsestopfleber wie Robert de Niro zu „Raging Bull“ (lacht). Aber dann dachten wir uns, dass wir das mit dem Jungen nicht machen können. Er wirkt auf der Leinwand auch so – allein durch die Form seines Gesichtes – etwas kräftiger als die anderen.
Es war Ihr erster Kinderfilm. Wie gut hat die Arbeit mit den Kindern geklappt?
Baxmeyer: Sehr gut, das war echt klasse. Alle drei sind echt professionell, wie erwachsene Schauspieler. Die Jungs haben schon echt viel gemacht und es war wahnsinnig einfach, mit denen zu drehen. Allein der technische Vorgang hat super gut geklappt. Das einzige Problem war, dass sie zwischendurch immer wieder Schule hatten und nur fünf Stunden am Tag drehen konnten. Das bedeutete, dass man sehr genau planen musste.
Nun ist der Film weitaus actionbetonter als die Bücher und die Hörspiele und es gibt von Beginn an Mädchen im Leben der „Drei Fragezeichen“. Sind das bestimmte Versatzstücke, die in einem Kinofilm nicht fehlen dürfen?
Baxmeyer: Ja, ich glaube schon. Zumal der Film auch für den internationalen Markt angelegt ist und schließlich auch bei einem Publikum, das die „Drei Fragezeichen“ nicht kennt, funktionieren soll. Da musste man einfach ein paar Zugeständnisse machen, die für Fans teilweise wahrscheinlich ein bisschen schwierig sind. Durch Justus’ Kussszene kommt man natürlich ein bisschen aus dem Universum, das man von den „Drei Fragezeichen“ kennt, heraus. Aber das braucht man, damit der Film ankommt.

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Stefan Wolf über die Gestaltung der vier Charaktere, die Faszination an Detektiv-Geschichten, heikle Inhalte, Medieneinfluss auf die Jugend von heute und darüber, dass er eine "technische Totalpflaume" sei.
Sie sind bereits dabei, den zweiten Film, „Die drei Fragezeichen und das Gespensterschloss“ zu drehen. Ist es nicht ganz schön mutig, schon einen zweiten Teil in Angriff zu nehmen, bevor man weiß, wie der erste ankommt?
Baxmeyer: Das ist extrem mutig, ja. Die Verantwortlichen glauben sehr stark an den Film. Die Walt Disney Studios, die den Verleih übernommen haben, haben schon nach dem ersten Rohschnitt den zweiten Film in Auftrag gegeben…
Erhöht das den Druck für Sie?
Baxmeyer: Ich kann es ja nicht beeinflussen. Es ist schön, dass wir mit dem zweiten Teil so beschäftigt sind, und ich gar keine Zeit habe, darüber nachzudenken. Ich bin jetzt nur für drei Tage in Deutschland, ansonsten bin ich schon wieder die ganze Zeit in Kapstadt in Südafrika, wo wir auch den zweiten Teil drehen.
„Die drei Fragezeichen“ sind vor allem in Deutschland sehr populär. Kann der Kinofilm auch international ein Erfolg werden?
Baxmeyer: Ich glaube, zumindest im europäischen Raum gibt es großes Interesse. Er kommt ja absichtlich zuerst in Deutschland in die Kinos. In der Hoffnung, dass er hier gut läuft. Aber der Sinn der Sache, das Ding in Englisch zu drehen, war natürlich eine internationale Kinoauswertung.
Es sollen drei Filme entstehen. Nach welchen Kriterien wurden die drei Folgen ausgewählt?
Baxmeyer: Es war so, dass Studio Hamburg die Rechte an den ersten zehn Folgen gekauft hat. Davon eignen sich wiederum eigentlich nur die drei, für die man sich nun entschieden hat, als Kinostoff. Der erste geht ein bisschen in die Richtung Abenteuer-Film, der zweite hat Horror-Elemente, der dritte ist ein bisschen dramatischer.
Die Hörspielsprecher Oliver Rohrbeck (Justus Jonas) und Andreas Fröhlich (Bob Andrews) waren am Set in Südafrika. Haben Sie sich von denen Rat geholt?
Baxmeyer: Es gab einen Austausch, allerdings ging das nicht so weit, dass wir das Drehbuch zusammen durchgegangen sind. Oliver Rohrbeck, der ja die Synchronregie gemacht hat, ist sofort ein Fehler aufgefallen. An einer Stelle bietet das Mädchen den Jungs Geld an und sie sagen: „Wir nehmen es erst, wenn wir den Fall gelöst haben.“ Das geht gar nicht – denn die „Drei Fragezeichen“ würden nie Geld nehmen. Oliver hat das natürlich gemerkt und so konnten wir es – zumindest in der deutschen Fassung – noch ändern.
Wir sprachen zu Beginn über Ihre beeindruckenden Karriereschritte. Haben Sie Ziele für die Zukunft?
Baxmeyer: Die Arbeit an den „Drei Fragezeichen“ macht mir großen Spaß. Aber ich will nach anschließend auch wieder etwas richtig Erwachsenes machen. Was Dunkles, was Böses…
Online-Version: http://www.planet-interview.de/index.php?id=153 | © planet-interview.de | Foto: Buena Vista International
» Wir können einfach nichts anderes. Wir könnten uns nicht ernst hinsetzen und Kluftinger vorlesen als wäre es Lyrik. «
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