16. Juni 2008
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Yannis Philippakis von Foals über den Erfolg mit Foals, Genre-Definition, Soundqualität und seine Vorliebe für analoges Equipment

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Yannis, euer Debüt-Album „Antidotes“ ist schon in Tauschbörsen gelandet, bevor es überhaupt veröffentlicht wurde. Hat euch das geärgert?
Philippakis: Nein, nicht wirklich. So etwas passiert heutzutage schon mal. Und es bedeutet, dass die Leute unsere Musik hören. Es sieht auch nicht so aus, als dass es einen Effekt auf die Plattenverkäufe haben würde. Das einzige Problem, was wir damit haben, ist die miese Soundqualität in den Tauschbörsen. Wir sind halt Sound-Freaks, und wenn jetzt jemand von unserem Album eine Version hört, die nicht mehr die Qualität des Originals hat, ist das ärgerlich. Weil wir in den Klang so viel Arbeit rein gesteckt haben.
Aber ansonsten... das Album war in den britischen Charts auf Platz drei, das zeigt doch, dass die Kopien in den Tauschbörsen nichts verändern. Darüber regen sich doch nur die Labels auf. Und wenn sich eine Band darüber aufregt, dann nur, weil sie Sorgen um ihr Geld hat., daran kannst du erkennen, dass sie nur kommerzielle Interessen hat. Also, ich denke darüber jedenfalls nicht so viel nach, über die Verbindung von Raubkopien und dem Rückgang bei den Plattenverkäufen.
Stimmt es, dass ihr das Album zweimal aufgenommen habt, weil ihr beim ersten Mal mit dem Resultat unzufrieden wart?
Philippakis: Ja, so in etwa. Wir haben es in New York mit David Sitek aufgenommen (Yeah Yeah Yeahs, Liars, Scarlett Johansson) – und danach haben wir es selbst noch mal neu abgemischt. Das, was wir mit Sitek in New York gemacht haben, hatte zu viel Hall drauf und das haben wir dann zum Teil wieder rückgängig gemacht.
Ihr nennt Künstler wie Monolake, Nelly Furtado and Steve Reich als wichtige Einflüsse auf eure Musik. Wie beeinflussen diese verschiedenen Stile eure Musik?
Philippakis: Ich denke, man hört viel Techno-Einflüsse auf der aktuellen Platte. Es gab eine Zeit, wo wir alle sehr viel Techno gehört haben. Das ist bei uns so: Wir haben Phasen, in denen wir bestimmte Musik richtig obsessiv hören. Im Moment interessieren wir uns zum Beispiel für afrikanische Musik.
Und Nelly Furtado?
Philippakis: Also, wir mochten Timbalands Produktion. Manchmal mag ich Platten, die expansiv klingen, besonders jemand wie Timbaland, der seinen Sound immer erweitert und nicht alle Alben gleich klingen lässt.
Zwei Bands, mit denen ihr oft verglichen werdet, sind Youthmovies und Bloc Party. Was sagst du dazu?
Philippakis: Ich kann versehen, warum die Leute denken, dass wir ein bisschen so klingen. Youthmovies sind Freunde von uns, mit denen sind wir sozusagen groß geworden. Bloc Party dagegen hören wir eigentlich nicht, trotzdem überrascht mich der Vergleich nicht.
Unsere Band gibt es halt noch nicht so lange und ich denke, wenn wir erst mal ein paar mehr Platten gemacht haben, wird es offensichtlich sein, dass wir nicht das sind, wofür uns die Leute am Anfang gehalten haben.
Nervt es euch denn, mit anderen Bands, mit einer bestimmten Szene in einen Topf geworfen zu werden?
Philippakis: Darüber mache ich mir jetzt nicht jeden Tag Gedanken. Auch weil es uns beim Musik machen ja nicht stört, das ist doch nur Gerede... Ich selbst habe auch bestimmte Szenen und Bands gemocht, zum Beispiel in Washington D.C. die Sachen, die auf dem Dischord Label erschienen sind. Ich mag es, wenn es eine geographisch zusammenhängende Szene gibt, basierend auf einer Community.
Aber viele der Dinge, die über uns gesagt werden, sind so Marketing-Vokabular, das uns übergestülpt wurde, vieles kommt von der Notwendigkeit uns schnell irgendwo einzuordnen. Aber das ist natürlich auch kontraproduktiv, weil du am Ende alles auf diese Schubladenbezeichnungen reduzierst. Das ist das Problem, weil junge Bands dann oft automatisch denken, sie müssten in eine dieser Schubladen reinpassen. Ganz unterbewusst hast du dieses Gefühl, dass es diese Schablonen gibt und du musst da reinpassen. Aber wir sind an dieser ganzen Kategorisierung nicht interessiert. Für mich ist das Spannende, was im 21. Jahrhundert passiert, dass die Grenzen zwischen den Genres verschwinden werden. Ich hoffe, es gibt genug Musiker für die dieses Genre-Konzept, dass du nur eine bestimmte Sache machst, keine Rolle mehr spielt. Weil ich denke, dass die Befruchtung verschiedener Arten von Musik untereinander eine gute Sache ist.
Heißt das auch, dass eure nächste Platte komplett anders klingen wird, als das, was ihr bisher gemacht habt?
Philippakis: Das könnte sein. Das wäre ja das, was wir gerne machen würden. Unser Album „Antidotes“ unterscheidet sich ja auch sehr von dem, was wir noch vor einem Jahr gemacht haben. Es gibt jetzt Blechbläser auf dem Album, der Sound ist insgesamt organischer... Aber wir hätten das so nicht gemacht, wenn wir uns nicht hätten weiterentwickeln wollen. Mich interessiert es nicht, noch mal die gleiche Platte zu machen, das ist was für Langweiler-Bands.
Deswegen nimmt man ja überhaupt mehrere Alben auf: weil man sie anders machen will. Alle Bands, die wir bewundern, machen das so. Und die treffen auch scheinbar komische Entscheidungen, in welche Richtungen sie als nächstes gehen. Ich mag das, diese Jagd nach Neuem.
Eure Band gibt es noch nicht besonders lange, trotzdem hat schon die ganze Musikpresse über euch berichtet. Werdet ihr jetzt berühmt?
Philippakis: Es ist schön, dass die Leute unsere Platte unterstützen. Aber es fühlt sich auch komisch an. Für mehr als 100 Leute zu spielen ist für uns ein komisches Gefühl, immer noch. Hier in Deutschland war die Reaktion vom Publikum besonders wohltuend, wir haben hier ja noch nie gespielt. In England ist es aber alles viel intensiver, wir werden zu Hause oft auf der Straße erkannt - darauf war keiner von uns vorbereitet. Aber in Zukunft werden wir wahrscheinlich etwas weniger ausgehen.
Denkst du, dass euch die Band schnell keinen Spaß mehr machen könnte, genauso schnell wie ihr berühmt geworden seid?
Philippakis: Also, wenn du jeden Tag Musik machst, musst du dafür auch einen gewissen Preis zahlen. Du musst Promotion machen, musst manchmal spielen auch wenn dir gar nicht danach ist, du siehst deine Eltern und deine Familie wenig, oder deine Freundin... Bei uns ist es aber so, dass wir uns priviligiert fühlen, wir können jeden Tag zusammen spielen, wir können einfach unsere ganzen Kräfte ins Musikmachen stecken. Und dafür werden wir jeden Preis bezahlen, für uns ist es das wert.
Wie groß waren die Hallen, in denen ihr bisher in Großbritannien gespielt habt?
Philippakis: Auf jeden Fall größer als in Deutschland. Wir waren auf der letzten Tour im Astoria in London wo etwa 2000 da waren. Auf der nächsten Tour haben wir Hallen von einer Kapazität von 4000 bis 5000 - ob die Tour dann ausverkauft sein wird, das ist dann noch eine andere Frage. In Großbritannien hat sich unser Erfolg konstant aufgebaut, in Deutschland dagegen scheint das ein wenig aus heiterem Himmel gekommen zu sein.
Ist es für euch wichtiger, Platten aufzunehmen oder live zu spielen?
Philippakis: Ich mag es, im Studio zu sein. Im Studio geschieht Magisches, live ist es vor allem Spaß, das ist für uns eine ganz andere Sache. Wir versuchen auch nicht, in unseren Konzerten die Platte nachzuspielen. Live-Shows sind viel unerbittlicher, direkter, wie ein Schlag ins Gesicht. Im Studio lernen wir immer noch sehr viel. Das Studio bedeutet mir auch mehr als alles andere in der Welt. Ich werde mein Leben damit verbringen, im Studio zu sein. Wenn ich schon längst keine Interviews mehr gegeben habe, und wenn sich schon längst niemand mehr dafür interessiert, wer ich bin – dann werde ich immer noch im Studio sein, Platten aufnehmen und hoffentlich andere Bands produzieren.
Wie sieht es eigentlich mit deinem eigenen Musikkonsum aus, bist du eher ein Fan analoger oder digitaler Tonträger?
Philippakis: Ich kaufe mir Platten, was aber vor allem damit zu tun hat, dass ich mich mit Computern richtig schlecht auskenne. Und ich mag es, etwas zu haben, was auch physisch ist. Und wenn ich Musik kaufe, dann auf Vinyl, anstelle von CDs. Und wenn du eine gute Anlage hast, gute Lautsprecher und eine Platte, die gut gepresst ist, dann gibt es nichts, was damit konkurrieren könnte. Selbst wenn du Musik in hoher Qualität aus dem Internet herunterlädst, kann es sich dem höchstens annähern.
Aber ich bin da wirklich ein Klangfanatiker, auch im Hinblick aufs Musikmachen, viele digitale Geräte lassen mich da ziemlich unbeeindruckt. Das gehört auch zu unserem Stil, dass wir zum Beispiel anstelle von Plug-Ins viel lieber analoge Pedale benutzen. Weil mit digitaler Technik ist es ja immer nur eine Annäherung an die Schallwellen – das ist einfach etwas grob. Außerdem mag ich es, etwas in der Hand zu haben. Bei einem Plug-In im Computer, da klickst du ja nur drauf, das ist nicht die gleiche Art von Verbindung zur Musik, die du machst. Ich mag es, meine Hände dafür zu benutzen.
Seid ihr auf Tour eher eine ruhige, geordnete Truppe, oder eher außer Kontrolle?
Philippakis: Wir kriegen uns auf Tour schon recht schnell in die Haare. Nicht weil jemand einem anderen was Schlechtes will, aber wir sind noch jung und das ist eine aufregende Zeit für uns. Schon Alkohol dabei zu haben, ohne dass die Eltern da sind, keine Verantwortung zu haben ...– wir machen ständig irgendwelche Sachen kaputt machen. Ich denke, wir sind alle noch sehr kindisch, uns macht es Spaß uns mit Essen zu bewerfen, uns gegenseitig wehzutun. Ich habe oft dieses Zigaretten-Spiel gespielt, zwei Leute halten die Arme nebeneinander, man klemmt eine Zigarette zwischen die Arme – und dann haben wir sehr viel Geld darauf gewettet, wer als erster zusammenzuckt.
Ihr spielt dieses Jahr auch in den USA, wo euch die Presse schon sehr gefeiert hat. Was erwartet ihr von der Tour?
Philippakis: Nichts Bestimmtes, ich will da einfach nur spielen. Wir haben keinen bestimmten Plan, wie wir jetzt die USA ‚knacken’ oder so. Ich glaube nicht, dass der Zuspruch dort so schnell kommen wird wie in Großbritannien oder Europa. Aber einfach für Leute spielen, die unsere Musik hören wollen, das reicht mir schon.
Online-Version: http://www.planet-interview.de/index.php?id=168 | © planet-interview.de | Foto: Warner Music Group
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