02. Oktober 2009
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Schauspieler Günther Maria Halmer über seine etwas ältere Zielgruppe, Humorunterschiede bei Jung und Alt und seinen Wunsch, ein großes Publikum zu erreichen

© ARD Degeto/Erika Hauri
Günther Maria Halmer, Jahrgang 1943, stand bereits während seiner Schauspielausbildung auf der Bühne des Bayerischen Staatsschauspiels in München. Seinen ersten großen TV-Erfolg schaffte er 1974 mit der Rolle des Tscharlie in Helmut Dietl's "Münchner Geschichten". Aber auch in großen Produktionen wie "Gandhi" (1981) und "Peter der Große" (1986) war Halmer zu sehen. Von 1988 bis 2001 spielte er die Hauptrolle in der beliebten ZDF-Serie "Anwalt Abel". David Sarkar traf Günther Maria Halmer im Atlantic Hotel in Hamburg zum Interview.
"Die Menschen sprechen mit ihrem Hund und leben mit ihm quasi in einer Partnerschaft. Das ist eine eigene Welt."
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Herr Halmer, lassen Sie uns über Dackel sprechen. Was mögen Sie an dieser Hunderasse?
Halmer: Ich hatte schon als Kind einen Dackel. Ich mag diese Hunde, eben weil sie nicht so hündisch sind. Sie haben einen ganz eigenen Charakter, folgen nicht so einfach, sondern machen was sie wollen. Sie sind ein guter Partner, schauen einen klug an und machen dann doch nicht das, was ein Pudel tun würde. Sie kläffen ein bisschen viel, aber sie haben ihr eigenes Leben, ihren eigenen Stolz. Das macht sie so sympathisch.
In Ihrem neuen Film „Mein Nachbar, sein Dackel & ich“ spielen Sie den schroffen Bestattungsunternehmer Siegfried Schroff, der eine äußerst innige Beziehung zu seiner Dackeldame Paula pflegt. Der Hund dient quasi als Menschenersatz. Können Sie diese besondere Form der Tierliebe nachvollziehen?
Halmer: Natürlich kann ich das verstehen, sogar sehr gut. Wenn Sie sich allein stehende Menschen ansehen, die ein Tier haben, dann erfüllt das Tier die Funktion eines Gefährten. Die Menschen sprechen mit ihrem Hund und leben mit ihm quasi in einer Partnerschaft. Das ist eine eigene Welt. Darüber hinaus ergeben sich viele Kontaktmöglichkeiten: Man wird angesprochen auf seinen Hund, hört Komplimente. Oft sind die Hundebesitzer wie im Film dann auch Mitglied in einem Dackelclub und können sogar in den Vorstand aufsteigen, sind plötzlich anerkannt. Das kann Menschen, die sonst sehr alleine wären, viel Kraft geben.
Warum treten die Deutschen eigentlich so gerne in Vereine ein, ob nun Schrebergarten, Schützenverein oder eben Dackelclub?
Halmer: Es gibt ja dieses alte Sprichwort: „Wenn sich sieben Deutsche treffen, gründen sie einen Verein“. Vielleicht ist der Deutsche als Individuum zu unsicher, will irgendwo dazugehören, damit er sich anerkannt fühlt. Die Deutschen marschieren ja auch gerne. Ich habe viele Monate in einem Bergwerk in Kanada gearbeitet. 27 Nationen waren dort und wenn die Italiener beispielsweise betrunken waren, haben sie angefangen, Liebeslieder zu singen und die Deutschen haben Marschlieder gesungen und sind losmarschiert. Vielleicht neigt der Deutsche dazu, gerne Gesetze zu akzeptieren, sich selbst Gesetze zu schreiben. Das hat ja auch Vorteile, wenn man sich zum Beispiel unser Staatswesen anguckt. Ich merke das auch manchmal bei deutschen Schauspielern, dass viele eine Rolle genau so spielen, wie sie vorgegeben ist und nicht groß herumexperimentieren wollen. Wahrscheinlich sind wir Deutschen einfach so.
Was für ein Schauspieler sind Sie denn?
Halmer: Ich versuche eine Figur auf jeden Fall so zu spielen, wie ich glaube, dass sie sein soll und wie sie mir am sinnvollsten erscheint. Dann glaube ich, wirkt die Rolle auch auf das Publikum.
Wie haben Sie sich der Rolle des Bestattungsunternehmers Siegfried Schroff genähert?
Halmer: Man muss sich natürlich fragen, was das für ein Mensch ist, den man da verkörpert. Schroff ist ein einsamer Mann, der diesen Beruf ausübt und gar nicht mal so schlecht verdient. Der Tod ist sein Geschäft. Mit dem macht er Umsatz, geht wahrscheinlich auf Sargmessen, um zu sehen wo der Trend hingeht bei Särgen. Es gibt ja inzwischen auch sehr poppige, bunte Särge. Man nimmt den Tod nicht mehr so ernst; man findet ihn lustig. Ich habe den Schroff eher ernst angelegt und dann muss man auch mal traurig schauen. Er ist eben kein Komiker. Seitdem ihn seine Frau verlassen hat, ist er gegenüber Frauen eher misstrauisch und hat sich seiner Dackelhündin Paula zugewandt, die ihn dann später verrät, ihn im Stich lässt. Und das ist natürlich ein schwerer Schock für ihn.
„Mein Nachbar, sein Dackel & ich“ ist ein sehr seichter und vorhersehbarer Film. Es scheint, als hätten Sie kein Problem damit...
Halmer: Nein, warum sollte ich auch? Ich kann zum Beispiel nicht über diese Teenagerscherzchen und Bettspielchen wie im Film „Keinohrhasen“ lachen. Das interessiert mich einfach nicht. Ich erlebe immer wieder, dass ich aufgrund meines Alters und der damit verbundenen Geschichten, die mit mir erzählt werden, natürlich eher eine ältere Zuschauergruppe anspreche. Ich kriege dann oft kritische Sätze ab wie: „Das ist doch albern was du machst“, aber ältere Menschen sagen zu mir: „Wahnsinnig komisch – das war sehr gut! Da haben wir richtig gelacht“. Ich glaube, das hat wirklich mit dem Alter zu tun. Vielleicht denken junge Menschen, es wäre albern, wenn sich ein älterer Mann noch mal in eine junge Frau verliebt, denn der sollte sich lieber mit dem Tod auseinandersetzen, aber das ist immer Ansichtssache. Das ganze ist ein Märchen. Natürlich ist es etwas vorhersehbar, dass Siegfried Schroff am Ende die Hebamme Irene Lieblich kriegt, aber es ist ja auch ein Degeto-Film, da kann die Frau nicht am Ende im Sarg liegen. Das ist sozusagen eine Prämisse. Ansonsten finde ich die Geschichte nicht durch und durch vorhersehbar.

Ann-Kathrin Kramer über den Quotendruck der öffentlich-rechtlichen TV-Sender, weichgespülte Fernsehfilme, Degeto-Produktionen, Einschränkungen bei ihrer künstlerischen Arbeit und den TV-Zweiteiler „Im Meer der Lügen“
Ihre Film-Partnerin Ann-Kathrin Kramer sagte gegenüber Planet Interview, sie könne verstehen, warum Menschen am Abend Filme sehen wollen, die absehbar und hübsch anzuschauen sind, aber dies sei nicht der Grund, weshalb sie Filme macht. Für sie als Schauspielerin sei es nicht interessant, immer Variationen über ein Thema zu drehen. Wie sehen Sie das?
Halmer: Jeder Schauspieler will möglichst alle seine Facetten zeigen. Im Laufe meiner langen beruflichen Erfahrung bin ich ja auch zu unterschiedlichen Ergebnissen gekommen, sehe Sachen mittlerweile anders. Ich gönne mir den Luxus, solche Rollen zu spielen, wenn mir die Geschichte gefällt. Ich mag es nicht so gerne, in Filmen mitzuspielen, wo ich schon vorher weiß, dass den Film nur wenige sehen wollen, also nur für die Dunkelkammer und ein paar Kritiker gedreht wird. Ich habe nichts gegen Massenunterhaltung und Publikumserfolge. Ann-Kathrin ist ja viel jünger. Für sie sind da sicherlich andere Aspekte wichtig.
Sie haben einmal gesagt, sie seien ein Genussmensch. Wie äußert sich das im Alltag?
Halmer: Ich möchte gerne in einer schönen Gegend wohnen. Ich möchte mit meiner Frau ein rundes, gepflegtes Leben führen, mit Freunden zusammen kochen und die Zeit genießen. Ich will kein gestresstes und hektisches Leben führen, sondern ein geistig anregendes. Ich liebe auch das Reisen, aber nicht mit Rucksack und Zelt. Ich bevorzuge lieber ein schönes Hotel.
Online-Version: http://www.planet-interview.de/index.php?id=1161 | © planet-interview.de | Foto: ARD Degeto/Erika Hauri
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