06. Januar 2009
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Die Heiligen Drei Könige über die Bedeutung ihrer Geschenke, den Brauch des 'Sternsingens' und wie sie zu Königen wurden

© PI
Sie sind im wahrsten Sinne des Wortes eine Legende. Sie sind Stars. Zumindest folgten sie einem Stern. Und dieser Stern sollte sie zum Jesuskind nach Bethlehem führen… – Caspar, Melchior und Balthasar sind als die „Heiligen Drei Könige“ in die Geschichte eingegangen. Heute feiert die Kirche jedes Jahr am 6. Januar das Hochfest der „Erscheinung des Herrn“ – volkstümlich auch „Fest der Heiligen Drei Könige“ genannt.

"Eigentlich sind wir ‚Magoi’. So nennt uns jedenfalls der Evangelist Mathäus."
Voriges Zitat
"Wir sind sehr gebildete Leute, die sich insbesondere mit Sternenkunde und Astrologie beschäftigen. "
Voriges Zitat"Wir waren nicht immer zu dritt! "
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Caspar, Melchior und Balthasar, wie soll ich Sie eigentlich korrekt ansprechen? – Vielleicht Majestäten? Ihr Heiligen Drei Könige?
Caspar: Sie dürfen uns ruhig beim Vornamen nennen. So rufen uns die meisten Menschen an, wenn sie uns darum bitten, Unheil abzuwenden und Schutz zu gewähren. Zum Beispiel werden wir gerne gegen Feuer oder zur Abhaltung von Dämonen oder gegen Krankheit angerufen.
Balthasar: Ja, früher hat man uns oft gegen Fallsucht oder Epilepsie um Hilfe gebeten. Aber auch gegen Verhexung und gegen Reisegefahren haben wir geholfen. Wir halten Dämonen aus den Häusern fern und schützen die Felder.
Melchior: Sie können aber auch – wenn Sie uns anrufen – ein ‚König’ vor unsere Namen setzen! So machten es die Leute zum Beispiel im Böhmerwald beim ‚Schaupbrennen’. Da stellte man einen Nadelbaum auf das Getreidefeld, legte Stroh rundherum und zündeten es an, während man drei mal um den Baum lief. Der Anzünder sagte dann „König Kaspar – König Balthasar – König Melchior! Ich habe euch alle drei genennt, damit uns das Korn nicht verbrennt!“
Balthasar: Ja, aber wir hören auch, wenn Sie uns nur beim Vornamen nennen. Und eigentlich sind wir auch gar keine Könige.
Sie sind keine Könige?
Balthasar: Naja. Das ist so eine Sache… Eigentlich sind wir ‚Magoi’. So nennt uns jedenfalls der Evangelist Mathäus…
Melchior: …und das ist der einzige Evangelist der uns überhaupt erwähnt!
Balthasar: …und Magoi ist altgriechisch und bedeutet im eigentlichen Sinne, dass wir Mitglieder einer persischen Priesterkaste sind. Wir sind sehr gebildete Leute, die sich insbesondere mit Sternenkunde und Astrologie beschäftigen.
Wie kommt es dann, dass Sie zu den Heiligen drei Königen geworden sind?
Caspar: Oh, das ist aber eine dreiteilige Frage! Eigentlich müssten Sie fragen: Wie kommt es, dass Sie heilig sind, dass Sie drei sind, und dass Sie Könige sind! Denn eigentlich sind wir keines der drei Genannten.
Melchior: Genau. Denn Matthäus schreibt eigentlich ‚nur’ über uns: „Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Bethlehem in Judäa geboren worden war, kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem…“
Dann klären wir zunächst: Wie wurden Sie zu Königen?
Caspar: Könige wurden wir durch die Auslegung älterer Bibeltexte, die dann auf uns bezogen wurden. Bei Jesaja heißt es zum Beispiel: „Völker wandern zu deinem Licht und Könige zu deinem strahlendem Glanz.“
Balthasar: Ja, und im Psalm 72 heißt es: „Die Könige von Tarschisch und von den Inseln bringen Geschenke. Die Könige von Saba und Seba kommen mit Gaben.“ Weiter heißt es da, dass alle Könige dem König Israels huldigen werden. Wo Tarschisch liegt, kann man heute nicht mehr genau sagen. Saba war ein Reich im heutigen Jemen…
Melchior: Wir sind von weit her gereist, und dann in Jerusalem angekommen. Da haben wir den dort regierenden Herodes nach dem neugeborenen König der Juden gefragt. Das hat leider dazu geführt, dass Herodes Angst um seine Macht bekommen hat und alle Jungen bis zum zweiten Lebensjahr umbringen ließ. Doch die heilige Familie wurde im Traum gewarnt und konnte rechtzeitig fliehen…
Balthasar: Jedenfalls fanden wir vor diesen schrecklichen Ereignissen Jesus, Maria und Josef in Bethlehem, huldigten dem Kind und brachten ihm Geschenke dar. Gold, Weihrauch und Myrrhe.
Zu der Bedeutung Ihrer Geschenke wollen wir später noch kommen. Zunächst noch möchte ich darauf zurückkommen, warum Sie nun zu dritt sind.
Balthasar: Wir waren nicht immer zu dritt! Bilder und Darstellungen aus den ersten Jahrhunderten nach Christus zeigen uns zu zweit, manchmal auch zu acht. Aber schließlich wurden wir über die Zeit zu den dreien, die wir nun sind. Es waren drei Geschenke, die wir dem Jesuskind gaben und daher scheint es nachvollziehbar, dass wir drei Könige sind.
Caspar: Ja. Aber das hat auch etwas mit Zahlensymbolik zu tun. Drei ist eine, wie will ich sagen, ‚gute’ Zahl. Sie birgt großen symbolischen Charakter. Die drei findet sich so zum Beispiel in der christlichen Trinität, Gott Vater, Gott Sohn, Gott Heiliger Geist. Das Weltbild war zur damaligen Zeit dreigeteilt in Himmel, Erde und Unterwelt…
Melchior: Und, was auch wichtig ist für uns und unsere Entwicklung: Es waren bis vor knapp 500 Jahren nur drei Erdteile bekannt: Afrika, Asien und Europa. Zusammen mit der Vorstellung der drei Lebensphasen: Jugendlicher, Erwachsener und Greis haben wir uns ab dem siebten Jahrhundert folgendermaßen entwickelt: Caspar ist jung und schwarz. Er repräsentiert Afrika. Balthasar ist im mittleren Alter und kommt aus Asien. Ich, Melchior bin der Alte unseres Trios und ich stehe für Europa. Über die Jahre und durch verschiedene bildliche Darstellungen variieren unsere Namen aber von Mal zu Mal zu unseren Repräsentationen.
Balthasar: Unsere Namen haben wir übrigens zwischen dem sechsten und dem achten Jahrhundert bekommen. Und sie haben auch eine Bedeutung. ‚Caspar’ kommt aus dem Persischen und bedeutet Schatzmeister. Melchior ist hebräischen Ursprungs und heißt ‚König des Lichts’. Mein Name, Balthasar ist babylonisch bzw. arabisch und bedeutet ‚Gott schütze sein Leben’, oder auch ‚Gott schütze den König’.
Und wie kam es nun, dass Sie ‚heilig’ wurden?
Caspar: Naja, es ist so, dass wir nie offiziell heilig gesprochen wurden. Also so gesehen sind wir nicht heilig. Aber wir haben dem Jesuskind gehuldigt. Somit sind wir Gläubige. Und nach dem Apostel Paulus sind alle Gläubigen in gewisser Hinsicht heilig.
Melchior: Hinzu kommt, dass wir die große Ehre hatten, Jesus leibhaftig zu sehen und zu huldigen. Und wir werden in der Bibel erwähnt. Beides zusammen erschien vielen Christen wohl genug Grund, uns als heilig anzusehen.
Balthasar: Ja, und so kommt es, dass unsere Reliquien bis heute in Köln stark verehrt werden.
Wie kamen Ihre Reliquien nach Köln?
Melchior: Die Mutter von Kaiser Konstantin, die Heilige Helena, hat unsere Gebeine gefunden. Sie war eine überzeugte Christin und hat auf ihren Reisen in Palästina der Legende nach viele für das Christentum wertvolle Entdeckungen gemacht. So geht sowohl der Bau der Grabeskirche in Jerusalem als auch der Bau der Geburtskirche in Bethlehem auf sie zurück. Und der Legende nach hat sie eben auch die Gebeine der weisen Männer gefunden, die einem Stern folgten um dem Jesuskind zu huldigen - uns.
Balthasar: Und einer der Söhne Konstantins soll unsere Gebeine dann im vierten Jahrhundert dem Mailänder Bischof Eustorgius geschenkt haben, der diese dann eben nach Mailand brachte. Dort lagen sie viele Jahrhunderte. Als aber Kaiser Barbarossa 600 Jahre später die Stadt eroberte, nahm er die Reliquien mit sich und schenkte sie dem Kölner Erzbischof Rainald von Dassel. Seitdem liegen wir in einem goldenen Schrein in Köln und werden von vielen Wallfahren besucht und verehrt…
Lassen Sie uns noch einmal auf die Geschenke zurückkommen, die sie dem Jesuskind machten. Das waren Myrrhe, Weihrauch und Gold. Was bedeuten diese Gaben?
Caspar: Myrrhe, das ist Harz aus einem Balsambaum. Und das wurde zur Zeit Jesu gebräuchlicherweise in der Medizin verwendet. Es symbolisiert Jesus den Heiler, den Heiland. Myrrhe war aber auch Bestandteil eines Salböls. Gesalbt wurden Könige - Christus ist griechisch und bedeutet ‚der Gesalbte’. Jesus ist also der König der Juden, als den wir ihn damals auch aufgesucht und verehrt haben. Myrrhe war aber auch in dem Balsam mit dem man Tote einrieb. So steht die Myrrhe auch als Zeichen für den Tod, den Jesus nach christlichen Glauben auf sich genommen und in seiner Auferstehung überwunden hat womit er die Menschen von den Sünden befreite.
Melchior: Der Weihrauch symbolisiert das Göttliche des Jesuskindes. In Israel wurde das kristallisierte Harz vom Weihrauchbaum als göttliches Symbol verwendet. Im Tempel stand ein Rauchaltar vor dem Vorhang des Allerheiligsten, der Bundeslade. Auf dem Altar wurde mit Weihrauch Gott Rauchopfer dargebracht. Weihrauch symbolisiert die göttliche Entfaltung und durch den Duft wird diese auch sinnlich wahrnehmbar. Im alten Ägypten wurde der Weihrauch aber auch im Totenkult verwendet und diente dazu, den ‚Geruch des Todes’ zu vertreiben. Jesus hat nach christlichem Glauben den Tod besiegt.
Balthasar: Das Gold bedeutet, dass wir uns Jesus als König unterwerfen. Gold, das ist ein angemessener Besitz für einen König. Es ist eine kostbare Gabe, die dem Sohn Gottes und dem König der Juden gebührt. Und indem wir Jesus Gold schenkten, symbolisieren wir auch einen alten Brauch, bei dem sich die Unterlegenen vor dem Überlegenen auf die Knie werfen, ihm huldigen und ihm Gold als Zeichen ihrer Unterwerfung darbringen. Jesus ist nicht nur der König Israels, sondern ein König, dessen Reich allen Menschen offen steht. Indem wir, Sterndeuter aus dem Osten, ihm Gold schenken, erkennen wir symbolisch seine Herrschaft über uns an.
Nun werden Sie selbst schon seit Jahrhunderten als Heilige verehrt und angerufen. Wir haben es anfangs schon kurz erwähnt. Einige Bräuche, die Sie betreffen, werden heute noch gerne ausgeübt. So ziehen beispielsweise in Deutschland jedes Jahr rund 500.000 Kinder als ‚Heilige Drei Könige’ verkleidet von Haus zu Haus um zu singen und Geld für arme Kinder zu sammeln, dieses Jahr unter dem Motto ‚Kinder suchen Frieden’. Seit 1959 gibt es diese Aktion des Kinder Missionswerkes in Deutschland. Letztes Jahr sind rund 40 Millionen Euro an Spenden zusammen getragen worden. Was halten Sie von dieser Aktion?
Caspar: Es erfüllt uns mit Stolz, dass unsere Namen für so gute Projekte eingesetzt werden. Das war ja nicht immer so. Dieser Brauch des ‚Sternsingens’ stammt ja schon aus dem 13. Jahrhundert. Meist junge Leute zogen mit einem Stern von Haus zu Haus mit Segenswünschen und Liedern und bekamen als Dank etwas zu essen, oder auch ein wenig Geld. Allerdings wurde das oft auch ausgenutzt. Das ging sogar soweit, dass es in einigen Regionen und Städten immer wieder zu Verboten und Untersagungen des Sternsingens kam. Im 19. Jahrhundert ging das Brauchtum langsam zurück und wurde erst wieder nach dem Zweiten Weltkrieg allgemein wiederbelebt.
Die Kinder gehen mit Weihrauchfässern in die Häuser und schreiben 20*C+M+B*09 an die Türen. Welche symbolische Bedeutung steckt hinter diesem Brauch?
Melchior: Das Anschreiben der Jahreszahl an die Türen zusammen mit den Buchstaben CMB soll das Haus schützen. Die weiße Kreide geht darauf zurück, dass man früher annahm, dass die Farbe weiß von Dämonen nicht gesehen werden kann und der Segen an der Tür sie damit noch härter träfe... C, M und B – das steht einerseits für unsere Namen, andererseits aber auch für den lateinischen Satz ‚Christus Mansionem Benedicat’,,Christus segne das Haus’. Der Weihrauch ist ein Symbol des Gebets und der Andacht. Er soll, so heißt es in der priesterlichen Segnung des Weihrauches, „unsere Wohnungen zu einem Ort der Brüderlichkeit und des Friedens“ machen.
Online-Version: http://www.planet-interview.de/index.php?id=1011 | © planet-interview.de | Foto: PI
» Ich halte Selbstironie für sehr wichtig. Und klar, in allen Figuren steckt immer auch etwas vom Autor.«
Welt Online 01.04.
Berliner Zeitung 31.03.
Der Tagesspiegel 31.03.
jetzt.de 29.03.
Die Zeit 29.03.
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