Mark Wahlberg über „Max Payne“, seine Biografie, Religion, Paparazzi und das „Rumballern“ auf der Leinwand

© 20th Century Fox
Mark Wahlberg wurde am 05. Juni 1971 in Boston geboren. Nachdem sein Bruder Donnie mit der Teenagerband "New Kids On The Block" Erfolge feierte, startete auch er in den 90ern eine Musikkarriere. Als "Marky Mark and the Funky Bunch" veröffentlichte er u.a. die Hit-Single "Good Vibrations". Außerdem arbeitete er als Model (u.a. für Calvin Klein) und gab 1993 mit dem TV-Film "The Substitute" sein Schauspiel-Debüt; später war er u.a. in "Boogie Nights", "Three Kings" und "Planet der Affen" zu sehen. Im November 2008 kam Wahlberg nach Köln, um seinen Film "Max Payne" vorzustellen.

"Ich möchte nicht, dass meine Kinder viele der schlimmen Erfahrungen, die ich gemacht habe, selber erleben müssen."
Voriges Zitat
"Stellen Sie sich mal vor, wie es aussehen würde, wenn man Pac-Man verfilmen würde."
Voriges Zitat"Am Tag nach der Präsidentschaftswahl war ich in Frankreich - und es war das erste Mal, dass ich mich nicht geschämt habe, Amerikaner zu sein."
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Mr. Wahlberg, in Ihrem neuen Film geht es um Rache, als „Max Payne“ sind Sie auf der Suche nach dem Mörder Ihrer Frau. Sie selbst sind Vater von drei Kindern - wie weit würden Sie für Ihre Familie gehen?
Wahlberg: So weit wie es nötig ist. Aber das ist eine Frage, mit der ich niemals in meinem Leben konfrontiert sein will. Wissen Sie, ich bin katholisch und ich glaube an die Vergebung, aber nicht, wenn unschuldigen Menschen und solchen, die sich nicht wehren können, Leid zugefügt wird. Da muss ich für mich ganz klar eine Grenze ziehen.
Als Sie sich auf die Rolle des Max Payne vorbereitet haben, welche Gefühle hatten Sie da im Bezug auf Ihre eigene Familie?
Wahlberg: Ich war sehr wütend, besonders zum Ende war ich emotional ziemlich aufgelöst. Um mich wirklich in die Rolle einfühlen zu können, musste ich mir vorstellen, wie es wäre, wenn meiner Familie etwas Furchtbares zustoßen würde. Es ist ganz schön hart dahin zu kommen und deswegen habe ich mich sehr auf das Ende der Dreharbeiten gefreut. Obwohl der Film mich sehr angezogen hat, wusste ich, dass es sehr hart für mich werden würde. Ich finde es großartig, dass die Figur des Max Payne sehr komplex ist und er so von seinen Gefühlen gesteuert wird. Trotzdem hat es keinen Spaß gemacht, dort am Set seine Zeit zu verbringen. An den Wochenenden bin ich immer zu meiner Familie zurück und habe sehr viel Zeit damit verbracht, meine Kinder zu umarmen und zu küssen.
Hat dieser Filmdreh auch Angst oder Sorge geweckt oder vergrößert, Ihrer Familie könnte es passieren? Besonders wenn man prominent ist, besteht ja in der Tat eine größere Gefahr, dass irgendwer etwas gegen einen hat.
Wahlberg: Ja, natürlich. Aber ich lebe ein sehr ruhiges, zurückgezogenes Leben mit meiner Familie. Ich mache mein eigenes Ding und ich bin nicht so oft in der Öffentlichkeit, ich verbringe viel Zeit mit meinen Kindern.
Es macht einen natürlich schon ein bisschen unruhig, wenn die Leute wissen wer du bist, aber du nicht weißt wer sie sind. In Los Angeles sind eine ganze Menge Paparazzi unterwegs, viele junge, energische Leute, die mit ihren Kameras möglichst schnell, möglichst viel Geld machen wollen. Aber die haben offenbar kein großes Interesse an mir. Ich meine, wie oft haben Sie schon mal ein Foto von mir im Supermarkt, auf dem Weg zum Golfplatz oder beim Fußballspiel meiner Tochter gesehen?
Die Boulevardpresse berichtet natürlich trotzdem über Sie. Stimmt es zum Beispiel, dass Sie sich, wegen Ihrer Kinder, Ihre Tätowierungen haben entfernen lassen?
Wahlberg: Ja, nicht nur wegen meiner Kinder, auch für mich selbst. Das war sehr schmerzvoll, sogar noch mehr, als sich die Tätowierungen stechen zu lassen.
Ihre Kinder werden doch aber trotzdem von Ihrer Vergangenheit erfahren...
Wahlberg: Ja, ich werde Ihnen auch vieles erklären müssen, wenn sie in dem richtigen Alter sind. Meine älteste Tochter ist erst fünf Jahre alt, also habe ich noch ein wenig Zeit herauszufinden, was der beste Weg ist, mit meinen Kindern darüber zu reden. Ich denke sehr oft darüber nach. Ich möchte nicht, dass meine Kinder viele der schlimmen Erfahrungen, die ich gemacht habe, selber erleben müssen. Und gerade deswegen ist es mir besonders wichtig, ein guter Vater und ein gutes Vorbild für sie zu sein. Jeden Abend wenn ich mich hinknie um zu beten, dann bete ich nicht „ Gott, mach’ diesen Film zu einem Hit.“ sondern ich bete darum ein guter Ehemann, Vater, Freund, Nachbar und eine Hilfe für die Menschen zu sein, die sich auf mich verlassen und die für mich da sind. Das sind die wichtigsten Dinge im Leben.
Man bekommt manchmal den Eindruck, Sie schämen sich für Ihre Zeit als Unterwäschemodel bei Calvin Klein...
Wahlberg: Nein, so ist das nicht. Es hat irgendwie seine guten und seine schlechten Seiten und es ist alles Teil meiner Persönlichkeit.
Der Film „Max Payne“ beginnt mit dem Satz: „Ich glaube nicht an einen Himmel.“ Was hat Sie als gläubiger Katholik an dem Film gereizt?
Wahlberg: Es hat mich fasziniert, wie es sein muss, all seinen Glauben zu verlieren. Durchzudrehen und nicht zur Ruhe zu kommen, bis man die Verantwortlichen dafür zur Rechenschaft ziehen kann. Desto komplexer eine Rolle ist, desto attraktiver ist sie auch für mich.
Nun basiert der Film auf einem Videospiel...
Wahlberg: Genau. Aber als ich das Drehbuch las, wusste ich das nicht. Später erzählte man mir davon und das machte mich ein wenig besorgt. Die Videospiele, mit denen ich aufgewachsen bin, hatten nicht wirklich eine Geschichte. Stellen Sie sich mal vor, wie es aussehen würde, wenn man Pac-Man verfilmen würde.
Aber die Videospielkultur hat sich verändert. Max Payne hat eine sehr komplexe Struktur und Geschichte. Es kann sehr unterhaltsam sein, wenn man der Typ dafür ist.
Würden sie Ihren Kindern erlauben, solche Videospiele zu spielen?
Wahlberg: Nein, auf gar keinen Fall.
Wie gehen Sie mit der Gewalt in Ihren Filmen um, im Bezug auf Ihren Glauben? Sind Sie da nicht kritischer?
Wahlberg: Nein, weil es sich um Unterhaltung handelt. Mir wurde sehr früh der Unterschied zwischen Realität und Fiktion beigebracht. Die ganze Gewalt meiner Jugend habe ich draußen auf der Straße kennen gelernt. Kein Film hat mich in irgendeiner Weise negativ beeinflusst. Es ist meine Aufgabe als Elternteil meinen Kindern den Unterschied zwischen richtig und falsch beizubringen.
Als Sie Ihre Musikkarriere begonnen haben, bekamen Sie Schützenhilfe von Ihrem Bruder Donnie (damals Teil der Band New Kids on the Block). Sind Sie heute derjenige, der Unterstützung gibt?
Wahlberg: Er verdient immer noch viel Geld. (lacht). Er war wirklich sehr, sehr großzügig, mir zu helfen. Er hatte mir am Anfang angeboten ein HipHop-Album mit ihm aufzunehmen, aber ich war der Meinung, ich sei zu cool für so was und habe abgelehnt. Dann kam ich ins Gefängnis und als ich entlassen wurde, war er da und gab mir eine zweite Chance, produzierte mein Album. Ich bin sehr dankbar dafür. Er ist heute auch ein großartiger Schauspieler und es wäre toll, wenn wir etwas zusammen machen könnten. Wir müssen nur noch das Richtige für uns beide finden.
Was für ein Projekt könnte das sein?
Wahlberg: Am ehesten vielleicht ein Drama. Es gab schließlich auch jede Menge Drama zwischen uns.
In den meisten Ihrer Filme geht es um Waffen, Rache, Krieg. Ist da so eine Art stereotyper Mark Wahlberg Film zu erkennen?
Wahlberg: Zum Teil ja. Ich würde mich natürlich freuen, mal einen Universitätsprofessor zu spielen, wenn mir eine solche Rolle angeboten wird. Aber ich mag Actionfilme. Den bösen Jungs in den Hintern treten und rumballern - das ist schon so eine Art Kleinjungenvorstellung und erinnert mich an die Zeit, als ich damals viele solcher Filme mit meinem Vater geschaut habe.

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Wie lange brauchen Sie, um von einer Rolle, die Sie gespielt haben, wegzukommen?
Wahlberg: Zwei Minuten. Ich steige ins Flugzeug und bin weg. Ich zähle die Tage und markiere in meinem Kalender wie viele Tage es noch bis Drehschluss sind und am letzten Tag ziert ein großer Smily das Kalenderblatt. Ich hoffe allerdings auch jedes Mal, dass ich meinem Verstand mitnehmen kann, denn ich stecke jedes Mal soviel Intensität in die Rolle, dass es mir schwer fällt, mit den Emotionen klarzukommen.
Zum Schluss hoffst du, irgendetwas in den Leuten zu bewegen, die den Film sehen, denn es gibt nichts Besseres, als in Menschen Gefühle auszulösen und sie zu bewegen.
Sie haben schon viele verschiedene Filme gedreht, aber noch keinen über Ihren Glauben, so wie Ihr Kollege Mel Gibson. Wäre das interessant für Sie?
Wahlberg: Auf jeden Fall. Ich hätte gern in seinem Film mitgespielt und war ein bisschen eifersüchtig, dass ich nicht dabei war. „Die Passion Christi“ ist definitiv einer meiner Lieblingsfilme. Er zeigt gut, was für ein Talent Mel Gibson auch als Regisseur ist.
Es tat mir so leid zuzusehen, was dann mit ihm passiert ist, die Autofahrt im betrunkenem Zustand und all das. Nach so einem grandiosen Film, nachdem er soviel Arbeit für Gott geleistet hat, das ist hart. Aber das zeigt, dass man stark sein muss, den Versuchungen widerstehen muss. Alkohol und Drogen bringen dich nirgendwohin.
Zum Schluss: Die USA haben gerade einen neuen Präsidenten gewählt - was denken Sie wird sich in den nächsten vier Jahren verändern?
Wahlberg: Eine ganze Menge, Gott sei Dank. Vieles hat sich schon verändert und einiges wird noch kommen. Im Moment ist es die Wahrnehmung von Amerika in der Welt, die sich verändert hat. Am Tag nach der Präsidentschaftswahl war ich in Frankreich und es war das erste Mal, dass ich mich nicht geschämt habe, Amerikaner zu sein. Die Leute haben dich nicht mehr gehasst, weil du Amerikaner bist. Es gibt jede Menge Hoffnung und Optimismus, nicht nur in Amerika sondern in der ganzen Welt. Vieles wird sich zum Besseren verändern, das ist sicher.
Online-Version: http://www.planet-interview.de/index.php?id=979 | © planet-interview.de | Foto: 20th Century Fox
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