17. November 2011
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Tierschützer Paul Watson über die Sea Shepherd Conservation Society, Gefechtstaktik auf See, sein Verhältnis zu Greenpeace, die Rolle der Medien und den Film "Bekenntnisse eines Öko-Terroristen"

© Björn Lexius
Paul Watson, 1950 in Kanada geboren, war Anfang der 70er Jahre einer der Greenpeace-Mitglieder der ersten Stunde. Er verließ die Umweltgruppe und gründete 1977 die „Sea Shepherd Conservation Society“. Die gemeinnützige, weltweit operierende Organisation hat sich dem Schutz der Meereslebewesen verschrieben. Öffentlichkeitswirksam praktizieren Watson und seine Crew die Strategie der „aggressiven Nichtgewalt“ und rammen mit ihren Booten illegal fischende Fangflotten. Im November 2011 startet der Dokumentarfilm „Bekenntnisse eines Öko-Terroristen“.

"Du musst bluffen, wenn du klein bist. Denn das sind wir im Vergleich zu denen, gegen die wir kämpfen. "
Voriges Zitat
"Wir müssen die Journalisten mit ihren Waffen schlagen. Sie machen die Regeln, wir reagieren nur darauf. "
Voriges Zitat"Ich habe für Obama gestimmt. Aber er hat seine Versprechen gebrochen, jedes einzelne. Das sind alles Lügner."
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Herr Watson, Peter Brown, der Regisseur und Ihr langjähriger Weggefährte, hat Sie 30 Jahre lang während Ihrer Kampagnen mit seiner Kamera begleitet. Herausgekommen ist nun der Dokumentarfilm „Bekenntnisse eines Öko-Terroristen“. Was gefällt Ihnen an seinem Film?
Watson: Die meisten Filme, die die Umwelt zum Thema haben, sind häufig sehr deprimierend. Ich finde, dass Peter ein Film gelungen ist, der sich durch sehr viel Humor auszeichnet. Ich glaube, dass wir so ein größeres Publikum erreichen.
Was ist die Botschaft des Films?
Watson: Wir tun etwas Gutes und Richtiges. Die Leidenschaft der Menschen verändert die Welt. Geht raus, kriegt Euren Hintern hoch und fühlt Euch gut dabei. Jeder kann etwas unternehmen.
Mit der Sea Shepherd Conservation Society bekämpfen Sie auf See den Walfang. Mitglieder Ihrer Crew sind ehemalige Navy Seals, Schweißer, Studenten oder Veganer – nach welchen Kriterien suchen Sie sich Ihre Mannschaft aus?
Watson: Es gibt drei Eigenschaften, die mir wichtig sind: Die Person braucht Leidenschaft, Mut und Fantasie. Denn genau damit erreiche auch ich meine Ziele. Ich möchte außerdem wissen, ob derjenige bereit ist, sein Leben für einen Wal zu riskieren. Macht das für ihn keinen Sinn, frage ich ihn, ob es Sinn macht, wenn ein Soldat sein Leben für Öl riskiert. Ein Soldat erscheint ja nur wie ein Held, wenn er für die Demokratie kämpft. Dabei kämpft er eigentlich für den Besitz von British Petroleum.
Sie engagieren sich für Tiere wie Wale, Haie oder Delfine, aber auch vor Ort auf den Galapagos Inseln oder bei der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko. Wie entscheiden Sie sich für eine Kampagne?
Watson: Wir analysieren vorher immer genau die Situation. Mit wem können wir uns befassen? Wie schaffen wir unser Ziel innerhalb der Grenzen der Zweckmäßigkeit und im Rahmen des Gesetzes? Können wir in diesem Fall wirklich etwas erreichen? Und wenn ja, wie? Es gibt da sehr viele Faktoren, die man beachten muss. Ist unser Ziel allerdings erst mal festgelegt, ziehen wir es durch. Dann geben wir nicht auf und es gibt kein Zurück. Unsere Kampagne gegen das Abschlachten der Wale im Südpolarmeer dauerte acht Jahre. Und sie geht noch weiter. Die Aktion gegen den Verkauf von Robbenpelz in Europa verlief 35 Jahre lang. Entscheidend ist dann die Beharrlichkeit.
Jetzt wirken Sie leidenschaftlich. Der Film zeigt Sie an Bord cool und kontrolliert, während die Crew mal in Panik gerät. Verspüren Sie nie Angst?
Watson: Nein.
Sie haben sich früher mit Militärgeschichte befasst. Welche Taktiken und Strategien wenden Sie bei Ihren Seemanövern gegen die Übermacht der Schiffsflotten der Walfänger an?
Watson: Alles was man in Sachen Militärgeschichte benötigt sind drei Bücher. Marshall McLuhans „Understanding Media“, Musashis „Buch der fünf Ringe“ und Sun-Tsus „Die Kunst des Krieges“. Im Grunde lernst du einfach die 13 Kapitel von Sun-Tsu und mehr brauchst du nicht. Sogar Napoleon hat das Buch gelesen. Er verlor seine Schlachten erst, als er die Lehren von Sun-Tsu vergaß. Als er in Russland einfiel, hätte Sun-Tsu ihm „Das tust Du nicht“ gesagt. (lacht) Ein anderes gutes Beispiel ist Nathanael Greene, ein General Washingtons im amerikanischen Bürgerkrieg. Weil die Briten zu stark waren und nicht geschlagen werden konnten, entschied er sich für die Taktik Angreifen, Weglaufen, Angreifen, Weglaufen, Angreifen, Weglaufen. Mit dieser Methode hat er den Gegner langsam zermürbt. Er verlor zwar jede Schlacht – aber er gewann den Krieg. Das sind Sun-Tsu-Taktiken.
Wie wichtig sind für Sie ein guter Bluff und das Pokern mit dem Gegner?
Watson: Du musst bluffen, wenn du klein bist. Denn das sind wir im Vergleich zu denen, gegen die wir kämpfen. Dem Regierungschef von Japan stehen das Bruttosozialprodukt, die Seemacht oder die Flughäfen des Landes zur Verfügung. Deshalb wundere ich mich manchmal, warum uns unsere Gegner immer so ernst nehmen. Sie glauben wohl, dass wir sie verletzten können. Es ist also immer alles eine Frage der Wahrnehmung.
Aber es gibt auch andere Taktiken. Vor ein paar Wochen hat ein Hai einen Surfer nahe der Insel La Réunion getötet. Aus Rache wollten die Surfer dort alle Haie töten. Die sind doch komplett verrückt, was sind das für Leute? Wie soll man darauf reagieren? – Lamya Essemlali, die Präsidentin von Sea Shepherd Frankreich, hat daraufhin einen offenen Brief geschrieben. Als französische Frau schäme sie sich zutiefst für einige ihrer Landsleute. Es scheine, dass eine Gruppe Surfer ein rachsüchtiges und ängstliches Pack weinerlicher Warmduscher sei. Selbst ein Golfer sei mutiger und männlicher, schließlich würden jedes Jahr mehr von ihnen durch Blitzschläge auf dem Golfplatz getötet als Surfer durch Haie.
Sie haben viele prominente Unterstützer wie Brigitte Bardot, den Dalai Lama oder Pierce Brosnan. Wer sind Ihre Verbündeten bei den Aktionen vor Ort?
Watson: In Trinidad haben wir mit der Coast Guard zusammengearbeitet, genauso in Costa Rica. Oft sind es auch die Park Rangers oder die Polizei, deren Hilfe wir bekommen. Brigitte Bardot hatten wir gebeten, sich für ein Foto mit einem Seelöwen-Baby ablichten zu lassen. So kommen wir dann natürlich auf die Zeitschriftencover von Stern oder Bunte.

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Welche Rollen spielen die Journalisten bei Ihren Kampagnen, wie sehr nutzen Sie die Macht der Medien aus?
Watson: Jeder nutzt die Medien. Man wirft uns oft vor, dass wir die Medien manipulieren würden. Wie denn? Etwa so wie Konzerne wie Coca-Cola oder der Präsident der Vereinigten Staaten? Jeder tut das. Bei den Medien gibt es ein paar Elemente, damit man ihr Interesse weckt, wie Gewalt, Sex, Skandal oder Prominenz. Vor ein paar Jahren hatten wir mal eine Kampagne gegen Wolfsjäger in British Columbia. Das war ein Beispiel für die perfekte Geschichte. Es gab Gewalt, weil sie die Wölfe erschossen und drohten, auch uns zu töten. Es gab einen korrupten Umweltminister, der zurücktreten musste. Damit hatten wir den Skandal. Dann habe ich Bo Derek als Sprecherin engagiert – so hatten wir auch Sex und Prominenz, das Paket war geschnürt. Ein Reporter der Vancouver Sun beschwerte sich dann, dass sich alles plötzlich nur um die Schauspielerin Bo Derek drehe und es albern wäre, sie dafür zu engagieren.
Aber Sie brauchten das offenbar...
Watson: Ich hätte den besten Wolf der Welt präsentieren können – es wäre niemand gekommen, um darüber zu berichten. Ich habe dem Journalisten geantwortet: „Weißt du was? Du wirst die Story dennoch schreiben. Sie wird morgen in deiner Zeitung die Headline sein und du kannst noch nicht mal etwas dagegen tun.“ Wir müssen die Journalisten mit ihren Waffen schlagen. Sie machen die Regeln, wir reagieren nur darauf. Es waren auch Journalisten, die Greenpeace gegründet haben. Heute hat Greenpeace allerdings überhaupt keine Medienberichterstattung mehr, weil sie so tun, als wären die Medien unwichtig.
Wie ist heute Ihr Verhältnis zu Greenpeace?
Watson: Mich stört an ihnen, dass sie sich ein drei Millionen teures Schiff gebaut haben und damit nirgendwo hinfahren können, weil sie Angst haben, ihren Besitz und ihren Profit zu verlieren. Sie geben eine Meldung heraus, dass in zwei Monaten Wale im Südpolarmeer sterben werden und bitten um eine Spende. Dabei waren sie seit vier Jahren nicht mehr vor Ort. Greenpeace wurde auch schon wegen Verbrechen verurteilt. Wir niemals.
Welche Werte sind Ihnen denn wichtig?
Watson: Alle diese Umweltorganisationen sammeln Geld und sagen, sie machen die Leute auf den Klimawandel aufmerksam. Ich frage sie dann, was sie dagegen konkret unternehmen, denn das Klima wird sich verändern.
Wir müssen die Zerstörung der Artenvielfalt stoppen, das ist entscheidend. Ob nun Bakterien, Insekten oder Fische – jedes der vielen Lebewesen auf unserem Planeten reguliert unsere Welt und schützt die Umwelt. Sie bewahren unser lebenserhaltendes System. Aber wir zerstören ihre Vielfalt. In Amerika gibt es mehr Menschen, die in Phantasiewelten leben und lieber am Computer „World of Warcraft“ spielen als sich für den Umweltschutz zu engagieren.
Ist Ihr Kampf auch als ein Kampf gegen Materialismus zu verstehen?
Watson: Nein, aber die Gesetze der Ökonomie besagen, dass die Ressourcen ein Limit haben. Und wenn die Anzahl der Menschen steigt, sinken diese Ressourcen. Das sind ja bereits Fakten und es wird immer schlimmer. Einige meinen, dass man das Problem der Überbevölkerung und den Planeten irgendwann vergessen könne, weil wir eines Tages einfach auf einen anderen Planeten übersiedeln. Doch das ist absurd und keine Lösung.
Welches Vertrauen haben Sie heute in die Regierungen?
Watson: Ich habe für Obama gestimmt. Aber er hat seine Versprechen gebrochen, jedes einzelne. Das sind alles Lügner. Auch die so genannten Umweltpräsidenten Al Gore und Bill Clinton haben nichts unternommen. Gore verkauft seinen Film „Eine unbequeme Wahrheit“ und macht damit Millionen. Gleichzeitig hat er aber gegen Kyoto gestimmt.
Welche Kampagne steht bei Ihnen als nächste an?
Watson: Wir werden im Dezember drei Schiffe gegen die japanische Walfangflotte in die Antarktis senden. Das Land Japan verhält sich dabei sehr seltsam. Die Regierung sagt, es sei nicht im nationalen Interesse, dem Druck von Sea Shepherd nachzugeben. Deshalb habe sie 27 Millionen australische Dollar bereitgestellt, um die Sicherheit der Flotte zu verbessern. Sie seien im Krieg mit uns. In diesem Land sind Menschen noch wegen des Tsunamis und des Erdbebens heimatlos. Und wir haben ihnen Spenden geschickt, um den Opfern zu helfen.
Haben Sie sich schon mal Gedanken über einen Nachfolger für Ihre Organisation gemacht?
Watson: Wir sagen den jungen Leuten immer, dass dies ihre Zeit ist. Wir können sie nur inspirieren und ermutigen. Wir müssen ihre Leidenschaft gewinnen, damit sie ihre eigenen Projekte voranbringen. Und wenn ihnen nicht gefällt, was wir unternehmen, dann entgegnen wir: „Mach dein eigenes Ding.“
Online-Version: http://www.planet-interview.de/index.php?id=1480 | © planet-interview.de | Foto: Björn Lexius
11:08 Uhr, am 18. November 2011 | Antonietta
Japan steht schon lange wegen seiner barbarischen Walfangpraxis in der Kritik. Gefangen werden auch Tiere die vom Aussterben bedroht sind wie z.B. Finwale. Finwale sind die zweitgrößten Tiere auf unserem Planeten. Die Begründung für die Jagd ist “wissenschaftliche Forschung”, aber es ist ein offenes Geheimnis, dass mit dem Fleisch Luxusrestaurants beliefert werden. In Japan geben Feinschmecker für die Delikatesse Walfleisch viel Geld aus.
Die Waljagd ist unnütz und ungerecht. Sobald die Wale von diesen sogenannten “Wissenschaftlern vermessen und gewogen worden sind, gehen die Schlachter ans Werk und die Wale werden zerschnitten und für den Markt verpackt. Es geht nur um Geld und nicht um Forschung.
» Man sollte nicht der total selbstüberzeugte, Bono-artige Rockstar sein.«
Welt Online 01.04.
Berliner Zeitung 31.03.
Der Tagesspiegel 31.03.
jetzt.de 29.03.
Die Zeit 29.03.
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