15. Oktober 2008
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Thomas D über über Rap-Entwicklungen, Vegetarismus, sein Album "Kennzeichen D" und seine erste Predigt

© One Artist
Thomas D, Jahrgang 1968, ist Mitgründer der Deutsch-Rap-Band Die Fantastischen Vier. Sie hat seit 1991 wesentlich dazu beigetragen, dass die deutsche Sprache in der Pop-Musik heimisch wurde. Seit 1997 produziert er auch Solo-Alben und nutzt sie als engagierter Vegetarier auch für die Verbreitung einer Botschaft von Verantwortung und Respekt. Er lebt mit Familie und Musikern in der Vulkaneifel in einer Land-WG mit Namen M.A.R.S.

"Die Gangstas haben schnell den American Way of Life übernommen: Wenn man Geld hat, hat man‘s geschafft, egal woher es kommt. "
Voriges Zitat
"Kirche und Thomas D = Glaube and more. Das fand ich so schräg, da musste ich hin. "
Voriges Zitat"Der Schmerz von Milliarden gequälten Tieren geht doch auch in unsere Gefühlswelt ein und drückt unser eigenes Gute-Laune-Potential."
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Hallo Thomas, ich bin ja nun ein alter Mann, erklär mir mal: Bis du nun ein Rapper oder ein Hip-Hopper?
Thomas D: Hip-Hop ist eine Kulturform. Er besteht aus einer Art zu Tanzen, nämlich Break Dance, dem Scratchen, also durch Stoppen und Drehen mit der Hand aus zwei Schallplatten eine neue Musik zu machen; Grafitti – und dem Rappen, also dem Sprechgesang. Ich mach von all dem nur den Rap, also bin ich wohl nur ein Rapper.
Rap hat ja dem Text in der Pop-Musik eine ganz neue Wichtigkeit gegeben. Es gab plötzlich wieder politische Aussagen und Sprachwitz. Aber der erste Hit von den Fantastischen Vier war total unpolitisch.
Thomas D: Ja, „Die Da“ ist eigentlich nur ein gespielter Witz. Es war unser Türöffner, der glatteste und poppigste Song auf unserem Debut-Album 1992. Wir haben mindestens zwei Jahre gebraucht, um den Fluch wieder los zu werden. Normalerweise hat jeder Fanta-4-Song eine tiefere Bedeutung.
Was hast du mit Gangsta-Rappern wie Bushido gemeinsam?
Thomas D: Nichts – außer, dass wir beide reden, wie uns der Schnabel gewachsen ist.
Wie kommst du damit zurecht, dass die Gangstas Gewalt verherrlichen und massiv sexistisch auftreten?
Thomas D: Es regt mich auf. Ich versuche inständig, ein bisschen Vernunft ins Volk zu prügeln, singe von Bewusstsein und Verantwortung und die reden so einen Mist. Das hat in der Musik nichts zu suchen.
Was hat es für eine Bedeutung, dass sich Gangsta-Rap stark im Migranten-Millieu abspielt?
Thomas D: Da wo er herkommt, in den USA, da gibt es wirklich Getthos und da war der Gangsta-Rap die Stimme der schwarzen Community. Aber die Gangstas haben schnell den American Way of Life übernommen: Wenn man Geld hat, hat man‘s geschafft, egal woher es kommt. Also haben sie gemacht, was Geld bringt und protzen mit ihren dicken Autos, dicken Goldketten und dicken Frauen – äh, also an den richtigen Stellen dick, du weißt schon. Das sind alles Glasperlen, mit denen sie sich dem weißen Mann mal wieder verkauft haben. Wenn man das aber in Deutschland nachmacht, hier, wo jeder Krankenkasse hat – also Entschuldigung! Die haben sicher ihre Probleme und eine schwierige Kindheit – aber verdammt: Dann werd halt erwachsen und mach’s besser! Für Gewalt und frauenverachtendes Gegröhle ist das kein Grund.
Es fällt ja auf: Erst geben sie den Rebellen, kaum gehen sie auf Mitte zwanzig, mutieren sie zum weisen Mann und raten zu Frieden und Einsicht.
Thomas D: Ja, dann kommen sie wohl selber drauf.
Du hast schon an einem Gottesdienst mitgewirkt.
Thomas D: Jepp! Da kam der Pater Alfred auf mich zu. Er wollte, dass ich aus meinem Album „Lektionen in Demut“ rezitiere und hatte schon das Plakat fertig: „Kirche und Thomas D = Glaube and more“. Das fand ich so schräg, da musste ich hin. Da habe ich dann meine Predigt gehalten. Für Mittelbiberach in Schwaben war es ein Riesenerfolg.
Aber man wird ja älter als fünfundzwanzig und was kommt denn nach dem weisen Mann? Du bist jetzt vierzig...
Thomas D: Also, ich weiß auch nicht... Eigentlich bin ich noch kein weiser Mann. Aber danach? Dann kommt vielleicht die Erleuchtung und dann der Dienst an der Menschheit – den man eigentlich schon die ganze Zeit hätte leisten sollen.
Auf deinem neuen Solo-Album „Kennzeichen D“ gibst du den Jesus.
Thomas D: Stimmt, in „Vergebung, hier ist sie“. Hab ich wohl die Erleuchtung übersprungen und bin gleich zu Gott geworden. Sozusagen in Auszügen.
Also doch: Ein Prediger? Jedenfalls predigst du die Botschaft, kein Fleisch mehr zu essen.
Thomas D: Ja! Ich sehe nicht ein, warum Tiere so zahlreich und so unnütz leiden müssen.
Ist es das Töten oder mehr die Tierhaltung, die dir Probleme bereitet?
Thomas D: Die Tierhaltung vor allem. Der Tod gehört zum Leben. Ich kann auch akzeptieren, wenn ein Jäger ein Tier selbst tötet, zerlegt und damit seine Familie ernährt und kleidet. Ich würd’s halt nicht tun. Aber die Mäster tun’s für Geld. Da hört es für mich auf.
Hat das Leid der Tiere Konsequenzen oder geht es „nur“ um Ethik?
Thomas D: Der Schmerz von Milliarden gequälten Tieren geht doch auch in unsere Gefühlswelt ein und drückt unser eigenes Gute-Laune-Potential. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das einfach ohne Wirkung bleibt. Ich habe dafür keinen Beweis, aber ich finde den Spruch sehr überzeugend: Solange es Schlachthöfe gibt, wird es auch Schlachtfelder geben.
Das ist ja doch wieder Ethik. Oder vielleicht Esoterik.
Thomas D: Also ganz handfest und eigennützig: Das Klima hält es einfach nicht mehr aus! Tierhaltung ist ein größerer Klimakiller als der gesamte Verkehr. Und die Hungerkrise werden wir nur lösen können, wenn wir die Pflanzen selber essen, die wir sonst vielfach mehr an Tiere verfüttern. Ist doch Wahnsinn, wie viel Futter wir in ein Rind stopfen und noch wahnsinniger, wie viel Regenwald wir für das Tierfutter zerstören. Das gilt auch für das Futter, das deutsche Rinder kriegen: Soja aus Brasilien - und die Leute dort verrecken.

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Du bist von Peta zum erotischsten Vegetarier Deutschlands gewählt worden, knapp vor Dirk Bach. Was sagt uns das über das Sex-Appeal von Vegetariern?
Thomas D: Es standen wohl nur wir zwei als prominente männliche Vegis zur Verfügung. Wenn nächstes Jahr Dirk den ersten Platz macht, dann muss ich da eben durch. Er ist ja schon ein Süßer.
Warum gibt es keine Schwarzeneggers oder Al Pacinos unter den Vegis?
Thomas D: Möcht ich auch mal wissen. In den USA gibt es mehr Promis, die sich öffentlich als Vegetarier outen. Immerhin isst jeder 10. Deutsche kein Fleisch, also müssten auch entsprechend viele Promis dabei sein. Man kriegt aber auch was ab als Vegetarier.
Beispiel? Thomas D: In einem Anti-Vegetarier-Forum wurde ich als Vegetarier beschimpft, weil ich kein Fleisch esse. In einem Veganer-Forum wurde ich als Vegetarier beschimpft, weil ich noch Eier und Milch esse. Würde ich Fleisch essen, hätten mich beide Parteien ignoriert. Hallo: Vegetarier sind auch Menschen! Gerade wenn man Respekt für Tiere verlangt, sollte man ihn auch den Menschen erweisen.
Interview: Martin Fütterer
Thomas D über den Zusammenhalt in der Band, das neue Album „Fornika“, deutsche Texte, sein Wohnprojekt in der Eifel und Frauen an der Macht
Online-Version: http://www.planet-interview.de/index.php?id=943 | © planet-interview.de | Foto: One Artist
» Der Zuschauer hat die schlechten Nachrichten gesehen, hatte den miesen Wetterbericht und hat jetzt 90 unterhaltsame Minuten mit uns auf dem Schiff. Darauf verlässt er sich. «
Welt Online 01.04.
Berliner Zeitung 31.03.
Der Tagesspiegel 31.03.
jetzt.de 29.03.
Die Zeit 29.03.
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