01. Juli 2003
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Die tschechische Sopranistin Magdalena Kozená über ihre Stimme, Frankreich und über das Tauchen

© KASSKARA/Deutsche Grammophon
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Frau Kozená, mit Marc Minkowski und dem Mahler Chamber Orchestra haben Sie gerade eine CD mit 15 französischen Arien zusammengestellt. Ist Ihnen die Auswahl schwer gefallen?
Kozená: Auf jeden Fall. Wir haben uns zuerst nach weniger bekannten Werken umgeschaut, und haben dabei so viele wunderbare Stücke entdeckt, die natürlich nicht alle auf eine CD passen konnten. Ein Kollege von Marc Minkowski entdeckte zum Beispiel ein Rezitativ aus "Hoffmanns Erzählungen", das noch niemand aufgenommen hat, von dem es bisher auch nur Skizzen gab. Für mich persönlich war die Arie aus "L'Heure espagnole" von Maurice Ravel eine große Entdeckung, ein sehr dramatisches, beeindruckendes Stück.
Neben selten aufgeführten Werken wie Arien aus Boieldieus "La Dame blanche" oder Aubers "Le Domino noir" findet sich aber auch ein Stück aus Bizets "Carmen" auf Ihrer CD wieder.
Kozená: Da hatte ich anfangs auch Bedenken. Aber Marc hat mich dazu ermutigt und ich finde es gut, dieses Stück aufgenommen zu haben. Für mich wird die Rolle der Carmen heute oft fehlinterpretiert, sie wurde ja eigentlich nicht für so einen schweren, dunklen Mezzosopran geschrieben, wie wir es heute gewohnt sind zu hören, sondern für eine Sängerin, mit einer leichten, zarten Stimme, die viel Opera Comique und Operetten gesungen hat.
Sie leben jetzt schon seit längerem in Frankreich, bereitet Ihnen die Sprache noch Probleme?
Kozená: Nein, heute nicht mehr. Es war aber auch schwer genug, die Franzosen sind ja sehr stolz auf ihre Sprache, die vergeben dir absolut nichts. Du musst so perfekt Französisch lernen, bis sie meinen, "das kann man sich anhören". Wenn du aber vorher schon versuchst jemand auf der Straße auf Französisch anzusprechen - dann antworten sie dir meistens in ihrem schrecklichen Englisch. Heute wiederum, wo ich die Sprache beherrsche, schätzen das die Franzosen sehr, weil sie wissen, dass ihre Sprache nicht die einfachste ist.
Nun sind Sie seit kurzem mit einem Franzosen verheiratet - gibt es aber noch besonders tschechische Gewohnheiten, die Sie noch nicht abgelegt haben?
Kozená: Ja, ich denke als Tschechin bin ich in vielen Dingen direkter als die Franzosen. Wenn ich manchmal vor Freunden in Frankreich etwas erzähle, dann schämt sich mein Mann schon mal für mich, weil er bestimmte Dinge so direkt vielleicht nicht sagen würde.
Eine weitere Gewohnheit wäre, auch wenn die Franzosen für ihren Wein berühmt sind, dass wir Tschechen trinkfester sind. Ich bringe meinem Mann also hin und wieder bei, ein wenig mehr zu trinken.
Bekommt das denn der Stimme gut?
Kozená: Nun, so viel trinke ich nun auch wieder nicht.
Es soll ja Sänger geben, die kurz vor einem Auftritt ihre Stimme mit einem Glas Whiskey ölen.
Kozená: Oh, ich denke, das wird kaum hilfreich sein, Singen ist ja auch eine Sache der Konzentration. Vielleicht kann man das machen, wenn man in einem Weinkeller Volkslieder singt. Aber wenn ich jetzt ein Konzert in der Wigmore Hall gebe, da würde ich doch nach einem Glas Whiskey glatt meinen Text vergessen.
Kommen wir zu den französischen Gewohnheiten, haben Sie schon welche?
Kozená: Wenn, dann ist es die französische Küche, die mag ich unheimlich gerne. Die tschechische Küche ist ja relativ schwer verdaulich, vor allem die vielen Klöße. Und um fit zu bleiben oder auch für eine Diät ist die französische Küche sicher das bessere Rezept.
Was machen Sie, wenn der Terminkalender Ihnen mal eine längere Pause gönnt?
Kozená: Letzten Sommer habe ich zum Beispiel Tauchen gelernt. Da war ich richtig stolz, mal etwas ganz anderes gelernt zu haben, als Singen. Schließlich singe ich jeden Tag und habe gar keine Zeit, irgendetwas anderes zu machen, was ich sehr schade finde.
Aber das Tauchen ist nicht ungefährlich.
Kozená: Es ist nicht besonders gut für meine Ohren, das stimmt, deswegen könnte ich das auch nicht regelmäßig betreiben.
Wie tief tauchen Sie?
Kozená: Ich habe erst eine Prüfung gemacht und darf jetzt bis 18 Meter runter. Aber ich will das unbedingt weitermachen. Ich habe unter Wasser für mich eine ganz neue Welt entdeckt. Und irgendwie wird man ja selbst ein Teil dieser Welt, weil die Fische denken, du wärst auch ein Fisch. Dann ist es auch diese Ruhe unter Wasser, die mich fasziniert - einfach wunderbar!
Online-Version: http://www.planet-interview.de/index.php?id=588 | © planet-interview.de | Foto: KASSKARA/Deutsche Grammophon
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