10. Mai 2008
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Nicolas Sfintescu und Ezechiel Pailhes von Nôze über ihre Musik, späte Partys, Drogenkonsum und das Verhältnis zwischen Jazz und Electro

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Voriges Zitat""
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Nicolas, Ezechiel, ihr tretet nachher noch im Berliner Club Berghain auf, um 5 Uhr. Ist das nicht ein bisschen spät, bzw. früh?
Sfintescu: Nein. Für die Panorama Bar (Berghain) ist das ganz normal.
Pailhes: Das ist die Hauptzeit sozusagen.
Und für euch persönlich?
Pailhes: Ja, es ist spät. Aber wir kennen das ja schon.
Sfintescu: Woanders spielen wir auch schon mal um 2 Uhr. Aber ob jetzt zwei Stunden später oder früher, das macht keinen Unterschied, für uns ist das kein Problem. Wenn wir unterwegs sind, ist das etwa genauso als wenn wir in einem anderen Land mit Zeitumstellung spielen. Und vom Tag sehen wir eh nicht viel.
Anstrengend oder?
Pailhes: Ja, ich meine, guck uns doch an. Ich glaube wir sehen nicht gerade ausgeruht aus (lacht)
Ihr spielt auf Partys, wo vor allem Electro/Minimal aufgelegt wird. Doch für das Umfeld dürfte eure Musikmischung aus Electro, Jazz und Chanson ziemlich ungewöhnlich klingen.
Sfintescu: Ja, wir sind ja auch etwas ungewöhnlich (lacht). Dass wir auf solchen Partys spielen hat damit zu tun, dass wir mit Minimal angefangen haben und dass ich mit meinem Label Circus Company auch in diesem Minimal-Netzwerk drin bin. Unsere Musik ist jetzt offener, aber sie funktioniert auch in diesen Clubs, sie ist halt nur ein bisschen anders als das Übrige, was da so läuft...
War das eure Motivation, ein bisschen Farbe in die Electro/Minimal-Welt zu bringen?
Sfintescu: Das kam ganz von selbst, wir hatten da jetzt keine besondere Absicht, kein Kalkül. Wir hatten auch auf den vorherigen Alben Gesang drauf; erst nur Scats ohne Text, auf dem zweiten Album hatten wir dann Refrains in Englisch, jetzt haben wir Verse, Strophen, Refrains - das kommt einfach so. Wir wollen unseren Stil immer wieder verändern. Warum, weiß ich auch nicht.
Pailhes: Ich denke, die Leute sind offener geworden für Melodien. Auch ein Club wie das Berghain ist offen für unsere Musik.
Dennoch beschränkt sich ein großer Teil der Berliner Partyszene auf Minimal und Electro – ist das in Frankreich ähnlich?
Sfintescu: Nein. Wir hatten irgendwann mal French House, was überall gespielt wurde, dann kam eine kurze Periode Minimal und heute ist es eine Art 80er-Revival mit Electro kombiniert, von Leuten wie Sebastien Tellier zum Beispiel.
Kann man jede Art von Musik mit Electro kombinieren?
Sfintescu: Wir hören so viel verschiedene Musik, Jazz, Klassik, brasilianische Musik, Rock, Pop... Ich denke das kommt alles zufällig in unsere Musik – wir haben uns jetzt nicht zum einzigen Ziel gesetzt, Jazz mit Electro zu mischen, sondern da spielen ganz verschiedene Einflüsse eine Rolle.
Ezechiel, du hast einen Jazz-Background, was würdest du sagen, haben Electro und Jazz heute gemeinsam?
Pailhes: Ich denke, im Jazz gab es immer eine große Offenheit, man konnte alles im Jazz mischen und wiederfinden. Die Leute haben nach neuen Klängen gesucht, in verschiedenen Ländern... In der elektronischen Musik ist es glaube ich ähnlich, du bist sehr frei, deine eigene Sache zu machen.
Aber man muss, um elektronische Musik zu machen, nicht so viel wissen, wie als Jazz-Musiker, oder?
Pailhes: Ich denke, es gibt viele in der Electro-Szene, die sich mit Musik sehr gut auskennen. Und zum Jazz muss man sagen: die Musiker, das waren am Anfang auch nicht unbedingt Leute, die Musik an einer Hochschule gelernt haben. Sie haben einfach losgespielt.
Sfintescu: Der Computer bietet heute natürlich neue Möglichkeiten, auch für Leute, die keine Noten kennen...
...was ja auch im Jazz vorkommt, dass gute Musiker, wie zum Beispiel Dee Dee Bridgewater keine Noten lesen können. Ist elektronische Musik der neue Jazz?
Pailhes: Das ist schwer zu sagen. Jazz ist Jazz und elektronische Musik ist elektronische Musik. Klar, Jazz war die Musik, zu der in den 30er und 40er Jahren getanzt wurde und heute ist die Party-Musik elektronisch.
Aber es gibt auch einen großen Unterschied: Jazz war damals eine soziale Bewegung von eher armen Leuten. Elektronische Musik dagegen wird heute von Wohlhabenden gemacht und gehört. Ich meine, ein Besuch im Berghain ist nicht gerade billig, gute Electro-Partys sind teuer. Und auch für Frankreich muss ich sagen: Diejenigen, die elektronische Musik machen, haben Geld.
Aber im Prinzip bräuchte man ja nur einen Laptop.
Pailhes: Ja, das ist wie eine Gitarre oder eine Geige - ein Instrument, mit dem du Musik machen kannst. Auch wenn es nicht ausschließlich dafür gedacht ist.

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Eine kleines Gedankenspiel: Was passiert in einem Club wie dem Berghain, wenn niemand mehr Drogen konsumieren würde?
Sfintescu: Das ist unmöglich. Du glaubst, das wäre möglich? Nein, das geht nicht. Das wäre so wie ein Schwulenclub ohne Darkroom.
Pailhes: Oder wie ein gutes Essen ohne Wein. Ich denke auch, dass das unmöglich ist, elektronische Musik ohne Drogen. In jedem Club der Welt werden Drogen konsumiert. Die Leute brauchen das, um auf solche Partys mit solcher Musik zu gehen. Gut, vielleicht nicht alle...
Aber guck mal, im Jazz haben früher auch sehr viele Musiker Drogen genommen, Heroin zum Beispiel, oder im Blues, da reden sie immer von Kokain. In jeder Kunst spielen Drogen eine Rolle.
Sfintescu: Die Leute wollen aus sich herauskommen.
Aber die Atmosphäre auf den Partys wäre ohne Drogen vielleicht eine andere.
Sfintescu: Ja, vielleicht. Aber ich sage noch mal: Das ist unmöglich. Aber warum fragst du so etwas?
Weil es mich noch nie gereizt hat, Drogen zu konsumieren.
Pailhes: Natürlich kann man auch Spaß haben ohne Drogen haben. Aber in den Clubs ist das normal. Und für uns ist das vielleicht sogar besser, weil die Leute unsere Musik dadurch intensiver erleben.
Unsere Schlussfrage: Das Leben ist ein Comic, welche Figuren seid ihr?
Pailhes: Ich bin Burt Simpson. Und Nicolas ist Coyote.
Sfintescu: Ja genau der. Miep, miep!
Pailhes: Aber ich glaube, das Leben ist kein Comic.
Sfintescu: Höchstens, wenn du Acid nimmst...
Online-Version: http://www.planet-interview.de/index.php?id=194 | © planet-interview.de | Foto: Get Physical Music
» Ich könnte mich auch zu Hause verkriechen, die ganze Zeit nur Fernsehen gucken und heulen. Stattdessen bin ich hier und weine gerade mal nicht. «
Welt Online 01.04.
Berliner Zeitung 31.03.
Der Tagesspiegel 31.03.
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Die Zeit 29.03.
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