Der Philosoph analysiert das Interview-Genre als „Mikrotheater“

Interviews über das Thema Interview können unter Umständen ganz schön trocken sein, doch das kurze Gespräch, das „Playboy“-Redakteur Christian Thiele mit dem Philosophen Peter Sloterdijk geführt und jetzt in seinem Blog veröffentlicht hat, bietet einige interessante, ungewöhnliche Ansichten (hier der Link).
Zum Beispiel betrachtet Sloterdijk die Befragung durch Journalisten als „Konfrontation mit Menschen, die Fragen stellen, nach Dingen, die sie nicht wirklich interessieren, oder nur sekundär interessieren, weil ein Berufsfragesteller keine natürlichen Fragen stellt“. (...) „Es ist ein Spiel mit einem falschen Interesse, das nicht das ist, was es zu sein vorgibt.“ Dies finde auf einer Bühne statt „wo so Mikrotheater gespielt wird“, meint Sloterdijk.
Gelungen sei ein Interview, „wenn beide Seiten es genügend überarbeitet haben, das heißt, wenn man die letzten Spuren der Original-Situation ausgetilgt hat, die nur das Rohmaterial für das Endprodukt hervorrufen.“
Ob es jetzt angesichts solcher Auffassungen gut oder schlecht ist, dass Sloterdijk öfter den Interviewten spielt als den Berufsfragesteller, darüber mag sich jeder seine eigene Meinung bilden.
Christian Thiele übrigens hat im letzten Jahr das Buch „Interviews führen“ veröffentlicht, auf das wir hier gerne hinweisen.
(Übrigens II: Bei uns lest ihr demnächst ein Interview mit Alexander Kluge, rund ums Thema Interview.)
Autor: Jakob
Bildquelle: interviewsfuehren.wordpress.com

24. Januar 2010 | Karl Wilhelm Goebel
Frage: Gilt das, was Sloterdijk sagt, auch für den Interviewer Alexander Kluge? Ist sein (vermutetes) Engagement nur eine perfide Maske?
» Unterwegssein bedeutet für mich die Abwesenheit von Tod. Deshalb kann ich diejenigen gut verstehen, die eine Fluchtenergie in sich tragen.«
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