25. November 2004
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DJ Alex Gimeno alias Ursula 1000 über seine Compilation "Ursadelica", seine Plattensammlung und die Liebe zum Vinyl

© ESL Music
Alex Gimeno ist der Mann hinter dem DJ-Pseudonym Ursula 1000. Geboren wurde er in Brooklyn, New York. Anfang der 90er begann er seine DJ-Karriere in Miami Beach. Ende der 90er fing er an selbst Musik zu produzieren, die seither auf dem Label "Eighteenth Street Lounge" erscheint. Gimenos Musik und DJ-Sets sind sowohl von Exotica-, Bossa Nova- und Merengue-Klängen der 50er und 60er beeinflusst als auch von BigBeat und Breakbeat.
"Ich bin kein großer Fan von dem Typus der Laptop-DJs, die wirken auch mich immer zu sehr wie Computerfreaks."
Voriges Zitat""
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Alex, wer ist eigentlich Ursula?
Gimeno: In Ursula kann jeder sehen, wen er will: die Wiedergeburt von Ursula Andress? Der böse Zwilling von Uschi Glas? Vielleicht auch eine Doppelgängerin von Uschi Nerke? Oder einfach nur ich, Alex Gimeno, ein Bürger New Yorks, der gerade versucht, der elektronischen Musik ihr Lächeln zurückzugeben.
Du hast vor kurzem deine Compilation "Ursadelica" veröffentlicht - wie lange dauert es eigentlich, so ein DJ-Set zusammenzustellen, bis man auch wirklich die richtigen Tracks zusammengesucht hat?
Gimeno: Das dauert ungefähr ein Jahr, wobei ich viele der Songs auf "Ursadelica" in jüngster Zeit oft in meinen Sets gespielt habe.
Einer der Tracks ist zum Beispiel Hall9000s "Bay Bay Bay", der einen mit seinem leicht obszönen, deutschen Text zum Schmunzeln bringt. Was hat es mit diesem Text denn auf sich?
Gimeno: Das hätte ich auch gern gewusst. Die scheinen in dem Song ja echt Spaß zu haben, aber da ich kein Deutsch spreche, habe ich natürlich überhaupt keine Ahnung, worüber die da eigentlich reden. Ich kann aber zur Musik sagen, dass Hall9000 normalerweise mehr mit Electro assoziiert werden - aber dieser Song ist für ihre Verhältnisse sehr organisch und funky geworden.
Kennst du denn alle Musiker, die auf "Ursadelica" zu hören sind, persönlich?
Gimeno: Ja, die meisten. Das ist ja das Gute am DJing und Musikmachen, dass du viel reist und viele andere Leute triffst, mit denen du Musik austauschst. Ich finde es auch sehr gut, dass die meisten Songs in meinen DJ-Sets von Freunden produziert wurden. Das macht die ganze Angelegenheit viel persönlicher und ich denke, das Publikum bemerkt auch diesen Enthusiasmus. Und was dazu kommt: es macht bei einer Compilation-CD den Lizenzierungs-Prozess natürlich viel einfacher.
Aus wie vielen Ländern kommen die Musiker auf "Ursadelica"?
Gimeno: Mal sehen ...: England, Finnland, Japan, Deutschland, Österreich, Italien, Spanien und aus den USA. Ich mag diese Internationalität und finde es schön, dass es gar keine Rolle spielt, wie viele Meilen man voneinander entfernt ist - wir sind trotzdem alle auf einer Wellenlänge.
Wenn du als DJ ein Album wie "Ursadelica" zusammenstellst, kommt dann eigentlich alles direkt von Vinyl oder wird da im Studio auch auf digitale Technik zurückgegriffen?
Gimeno: Das Original-Material kommt eigentlich immer von Vinyl und das meiste habe ich auch live gemixt. Aber ich muss zugeben, dass ich an bestimmten Stellen auch den Computer eingesetzt habe, besonders an Stellen, wo ich von einem Stück mit programmierten Drums zu einem Stück mit Live-Drums komme. Insofern, ja, da habe ich ein bisschen gemogelt, aber eben nicht zu viel.
Wie lang ging dein bisher längstes DJ-Set?
Gimeno: Eigentlich versuche ich es immer bei maximal vier Stunden zu belassen. Aber ich mache hier in New York freitags auch eine Party, die geht sechs Stunden. Und mein absolutes Maximum liegt bei acht Stunden - das kommt aber sehr selten vor.
Wie viele Platten kaufst du dir ungefähr pro Woche? Und welches Ausmaß hat in etwa deine Plattensammlung?
Gimeno: Ich habe meine Platten noch nie gezählt, aber ich denke, es dürften um die 10.000 Stück sein. Und wie viele Platten ich jede Woche kaufe? Also, da ich schon nach einem sehr speziellen Sound suche, bin ich froh, wenn ich pro Woche etwa fünf Platten finde. Ich kaufe auch viel alte Platten, für meine Sammlung, die ich aber nie als DJ auflege - und davon auch so 5-10 Stück pro Woche, wenn ich Glück habe.
Glaubst du denn, dass Vinyl aus der Club-Szene irgendwann verschwinden wird?
Gimeno: Schwer zu sagen. Da geht es im Grunde auch um den ästhetischen Aspekt, ich liebe diese Griffigkeit von Vinyl. CDs sind da ein bisschen steril, aber einfacher zu handhaben, zumindest wenn man auch das Reisen einbezieht. Ich bin kein großer Fan von dem Typus der Laptop-DJs, die wirken auch mich immer zu sehr wie Computerfreaks. Und außerdem denke ich: die Leute wollen dich doch schwitzen sehen!

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Unsere Schlussfrage: Das Leben ist ein Comic, welche Figur bist du?
Gimeno: Ich, ich liebe Zeichentrickfilme und Comics, so ist die Frage aber auch schwer zu beantworten, weil ich mich jeden Tag für eine andere Figur entscheiden würde. Heute jedenfalls fühle ich mich wie ... der rosarote Panther.
Online-Version: http://www.planet-interview.de/index.php?id=461 | © planet-interview.de | Foto: ESL Music
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Berliner Zeitung 31.03.
Der Tagesspiegel 31.03.
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