07. September 2004
Leseansicht
Pop-Geigerin Vanessa Mae über Unterschiede zwischen akustischer und elektrischer Geige, ihr Album "Choreography" und dass sie sich fürs Tanzen schon zu alt findet

© Lorenzo Agius / Sony Music
Vanessa-Mae wurde am 27. Oktober 1978 in Singapur geboren. Mit drei Jahren fing sie bereits an, Klavier zu spielen, mit fünf Jahren Geige. 1982 zog sie nach London, wo sie später am Royal College of Music studierte. Schon als Zehnjährige debütierte sie mit dem London Philharmonic Orchestra, ebenfalls trat sie mehfach im englischen Kinderfernsehen auf. Weltbekannt wurde sie vor allem mit ihrem Album "The Violin Player", auf dem sie Klassik und Pop vermischte. Seitdem hat Mae eine Reihe von Crossover-Alben aufgenommen. Das folgende Interview entstand im September 2004 in München.

"Ich mache meine Alben nur für die heutige Zeit und nicht für die Ewigkeit, nicht für in 30 Jahren."
Voriges Zitat
"Ich würde nie in ein Konzert von mir gehen. Weil ich immer selbst spielen will."
Voriges Zitat"Wenn Sie meinen, dass ich sexy angezogen war, dann hätten Sie mal meine Mutter sehen sollen."
Beim Userview stellt ihr die Fragen. Wir kündigen euch einen Interview-Partner an - und dann seid ihr dran: Im Formular könnt ihre eure Fragen stellen (ohne Registrierung möglich) und die Fragen anderer Leser bewerten (erfordert Registrierung). Die besten 10 Fragen werden von uns im Interview gestellt und die beste Frage mit einem Preis honoriert. Das geführte Interview erscheint wenige Tage später exklusiv auf Planet Interview.
Wir behalten uns vor, beleidigende, rassistische oder sonstwie menschenverachtende Fragen kommentarlos zu löschen. Doppelte Fragen werden ebenfalls gelöscht.
+++Zu Beginn des Interviews guckt Vanessa Mae neugierig auf den MP3-Recorder, den ich auf den Tisch gelegt habe.+++ Mae: Was ist das denn?
Das ist eine Art mobile Computer-Festplatte, die MP3-Dateien speichert, im MP3-Format aufnehmen kann... - so etwas ähnliches wie der iPod.
Mae: Oh ja, der Ipod. Ich habe mir meinen iPod vor anderthalb Jahren auf dem Flughafen gekauft. Und wissen Sie was, ich habe ihn bis heute nicht ausgepackt. So eine Geldverschwendung, oder?
Nun, das Publikum kennt Sie ja vor allem mit Ihrem Markenzeichen in der Hand, der elektrischen Geige. Privat sind Sie also nicht der Technik-Freak?
Mae: Was den Umgang mit der Technik anbelangt, bin ich nicht besonders gut. Wenn mir zum Beispiel jemand eine E-Mail schickt, dann bekommt die mein Assistent und der druckt sie dann für mich aus. Das ist doch schlimm, ich bin 25, ich sollte so was können, da gibt es Fünfjährige, die können das besser als ich. Aber natürlich finde ich die Technologie sehr nützlich, dass man zu Hause einen Satellitenempfänger haben kann oder neuerdings sogar einen Fernseher, wo man am Ende eines Films einfach auf Play drückt, wenn man ihn verpasst hat. Aber da brauche ich zu Hause meinen Freund, der mir die Sachen anschaltet, im Büro meinen Assistenten oder auf der Bühne meine Crew.
Es soll schon Konzerte gegeben haben, wo Ihre elektrische Geige gestreikt hat.
Mae: Ja, das passiert immer wieder. Irgendjemand vergisst, die Geige einzustöpseln oder die Crew macht irgendwas falsch, oder es ist eine andere Crew, die nicht genau Bescheid weiß - insofern ist die akustische Geige immer die sicherere Variante. Ich mag die akustische eigentlich auch viel lieber, das ist immer noch die gleiche Geige, die ich mit zehn Jahren bekommen habe und die hat schon einiges mit mir durchgemacht. Und um sie zu spielen brauche ich keine Techniker-Crew.
Würden Sie auch sagen, die akustische Geige ist das emotionalere Instrument?
Mae: Also, ich benutze sie zum Beispiel für langsame, sehr romantische Stücke und die elektrische meistens für die rockigeren Stücke, wenn es vor allem darum geht, möglichst viele Noten in kurzer Zeit zu spielen ...
... wie auf Ihrem aktuellen Album "Choreography".
Mae: Das Album habe ich ausschließlich mit der akustischen aufgenommen, allerdings mit einer Reihe von Effekten. Ich persönlich kann den normalen Klang der Geige nämlich nicht ausstehen, ich finde den sehr irritierend, sehr dünn, irgendwie klischeehaft und viel zu technisch. Deswegen sage ich auch immer zu meinem Produzenten: "Was immer du machst, lass es nicht wie eine Geige klingen!"
Sie sind auf "Choreography" auch wieder mit verpoppten Klassik-Stücken zu hören. In der Popmusik haben immer wieder Bands klassische Musik arrangiert - allerdings wird man die klassischen Originale wohl noch in 100 Jahren hören, die Cover-Versionen dagegen nicht. Wäre es also nicht schöner, Musik zu machen, die sich die Leute in 30 Jahren noch anhören?
Mae: Da mögen Sie Recht haben, aber ich mache meine Alben nur für die heutige Zeit und nicht für die Ewigkeit, nicht für in 30 Jahren. Ich höre auch nie meine alten Alben an.
Aber ist das nicht schade?
Mae: Nein, finde ich nicht. Ich würde ja auch nie in ein Konzert von mir gehen. Weil ich immer selbst spielen will, da habe ich meinen Spaß. Ich hätte gar nicht die Geduld, im Publikum zu sitzen. Und wenn ich mal eine bestimmte Show sehen will, dann kaufe ich mir lieber später die DVD anstatt live hinzugehen. Zu Hause kann ich zwischendurch aufstehen, rausgehen, Wein nachfüllen ...
Auf "Choreography" wird Ihr Geigenspiel mit vielen Tanzrhythmen unterlegt, man könnte es fast als Dance-Album bezeichnen. Gehen Sie denn privat gelegentlich tanzen?
Mae: Nein, überhaupt nicht. Als ich zwanzig war, da bin ich mal ein paar Monate viel ausgegangen, aber heute mache ich das nicht mehr. Ich bin in den letzten Jahren sehr häuslich geworden und verlasse das Haus eigentlich nur noch, um auf Tournee zu gehen oder um meine Platten zu promoten.
Dabei gibt es in London wirklich eine Menge Clubs.
Mae: Ja, klar, wenn ich noch einmal 25 Jahre alt wäre, dann würde ich auch viel ausgehen. Aber in diesem Leben scheint es mir dafür schon zu spät zu sein, ich bleibe jetzt lieber zu Hause. Außerdem fühle ich mich mit 25 in einem Club schon viel zu alt. Ich mag auch nicht diese heißen Räume und ich hasse den Rauch.

Geigerin Sarah Chang über Karriere in der Kindheit, volle Konzertpläne, Adrenalin und dass sie beim Üben gerne Fernsehen guckt

Geiger David Garrett über Crossover-Projekte, Klassik-Vermarktung und warum er eigentlich lieber in kleinen Sälen spielt

Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt über den Schlankheitswahn in den Medien, falsche Vorbilder und ein medial verzerrtes Erfolgsmodell
Sie kamen zuletzt in die Schlagzeilen, weil Sie Probleme mit einem Stalker hatten, der nach einem kurzen Gefängnisaufenthalt nun wieder auf freiem Fuß ist. Hat Sie diese Geschichte vielleicht ein bißchen nachdenklich gemacht in Bezug auf Ihr freizügiges Auftreten zu Beginn Ihrer Karriere?
Mae: Nein, wissen Sie, dieser Typ ist einfach eine traurige Gestalt. Er ist 54, hat keine Familie, keine Freunde, hat seinen Job verloren, weil er wegen dieser Geschichte im Gefängnis war. Und er ist besessen von meiner Musik, in den ganzen Briefen spricht er gar nicht über mich sondern nur über meine Musik. Ich bin auch nicht die Einzige, die er verfolgt hat.
Stehen Sie denn immer noch zu diesem Bild der sexy Geigerin, das Ihre Plattenfirma einst für Sie entworfen hat?
Mae: Also, das kam gar nicht so sehr von meiner Plattenfirma, sondern viel mehr von meiner Mutter und mir. Ich war ihr einziges Kind und alles, was sie angezogen hat, das habe ich auch angezogen, um sie zu kopieren. Und wenn Sie meinen, dass ich sexy angezogen war, dann hätten Sie mal meine Mutter sehen sollen, das war schon fast peinlich.
Angenommen, Sie würden Ihre Karriere noch einmal beginnen, Sie würden also alles noch einmal genauso machen?
Mae: Ja, ich denke schon. Vielleicht würde ich ein bißchen andere Musik machen, aber mein Outfit wäre mehr oder weniger das gleiche. Und wenn Sie sich mein erstes Video angucken, da war ich einfach ein wildes 15-jähriges Mädchen, das viel herumgerannt ist, aber doch keine großbusige, pornographisch wirkende Person. Und heute trage ich ja auch keine Hotpants mehr. Kylie Minogue, die trägt noch Hotpants und ist schon 36, ich bin erst 25 und würde so etwas trotzdem nicht mehr anziehen.
Unsere Schlussfrage: Das Leben ist ein Comic - welche Figur sind Sie?
Mae: Oh, ich wäre gerne Jasmin, die Prinzessin von "Aladin". Davon habe ich mir gerade erst die DVD gekauft. Und als Jasmin könnte ich immer mit Aladin zusammen sein. Der sieht gut aus, den liebe ich.
Online-Version: http://www.planet-interview.de/index.php?id=448 | © planet-interview.de | Foto: Lorenzo Agius / Sony Music
08:45 Uhr, am 21. Dezember 2007 | karim
gutes interview ich bin 7 jahre alt und spiele selber geige
viele grüsse Karim
05:56 Uhr, am 24. Februar 2007 |
tut mir leid,
wegen des Verschreibers.
Sollte "Schelte einstecken" heißen.
Admin: Kannst Du's berichtigen? Dann kann dieser Zusatz wieder raus,
05:48 Uhr, am 24. Februar 2007 | Hawkbit
Die Vier Jahreszeiten sind der absolute Hit. Ich kenne mehrere Versionen, aber Vanessa's ist die Beste. Der Alte Meister Antonio hätte seine helle Freude daran gehabt. Vanessa hat Einiges an Schelte dafür einsecken müssen, von älteren, "gestandenen" Musikern, die Jahrzehnte an sich arbeiten mussten, um passabel spielen zu können. Wenn Du mich fragst, da steckt der pure Neid dahinter.
Vanessa, spiel weiter, aber verspiel Dich nicht! Weißt wie ich's meine?
20:54 Uhr, am 18. August 2006 | Keina
Ich find sie sooooo cool wenn sie da auf die Bühne geht und ihr Zeug einfach so spielt. Sie ist mein absolutes Idoool!
11:46 Uhr, am 24. Februar 2006 | Dan
Sehr einfallsreiches Kommentar. Muss man sagen!!
11:42 Uhr, am 24. Februar 2006 | Dan
Vanessa Mae hat eine unglaublich virtuose Spieltechnik, mit der sie ihr Publikum immer auf´s neue fesselt! Nicht nur die emotionalen Töne, sondern auch die mitreißenden Melodien werden mit einer Leichtigkeit gespielt, die ihres gleichen sucht! Sie gibt der Musik eine solche Emotionalität und Eleganz, die nicht von dieser Welt zu sein scheinen.
17:20 Uhr, am 28. Oktober 2005 | addyline
Hammergeile Musik, die sie macht!!!
11:51 Uhr, am 07. Juli 2005 | Steppenwolf110
Sie ist eine frau mit sehr viel gefühl für musik
und sieht phantastisch aus
16:08 Uhr, am 11. Mai 2005 | Merlyn
Sie ist einfach die Beste!
11:57 Uhr, am 01. Mai 2005 | Gordrim
Sie spielt Geil
15:58 Uhr, am 17. April 2005 | Gina
Warum gefält ihr der Klang einer Geige nicht????
16:18 Uhr, am 11. März 2005 | leNnY
Vanessa macht wirklich gute Musik!!!
» Wenn ich nur so abspulen würde, was ich einmal gelernt habe, wäre mir das vor mir selber peinlich.«
Welt Online 01.04.
Berliner Zeitung 31.03.
Der Tagesspiegel 31.03.
jetzt.de 29.03.
Die Zeit 29.03.
Sinéad O'Connor im Interview über ihr Album "How About I Be Me (And You Be You)" und den Arabischen Frühling VÖ: 05. April 2012
Eckart von Hirschhausen spricht über Liebesbeweise, Romantik, Sex, die Ehe und natürlich: das Glück. VÖ: April 2012
Der Graf von Unheilig über Auftritte in Hospizen, Argwohn gegenüber Literatur, sein Live-Verständnis und warum er fast alle Casting-Shows ablehnt VÖ: April 2012
Motsi Mabuse über „Let's Dance“, den Umgang mit ihrer Popularität, afrikanische Eigenschaften, das Klima für Einwanderer in Deutschland und Urlaub ohne Make-Up
Shirley Manson von Garbage über den Stand der Frau in der Popmusik, das Album „Not Your Kind Of People“, ihre Definition von Erfolg und ihren Hass auf Klischee-Liebe
Sönke Wortmann über seinen Film „Das Hochzeitsvideo“, Youtube-Ästhetik und warum er seine Filme nicht kostenlos im Internet sehen möchte