09. September 2002
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Autorin Zoë Jenny über die Hintergründe ihres Romans "Ein schnelles Leben", das Schreiben, und wieso sie privat fast nur mit Menschen verkehrt, die mit Literatur überhaupt nichts zu tun haben

© Susanne Schleyer

"Ich habe mir immer einen Lehrer gewünscht der mich substantiell weiterbringen kann. Aber ich habe mich schrecklich gelangweilt und bin im Unterricht immer eingeschlafen."
Voriges Zitat
"Ich bin kompromisslos, wenn es darum geht, Ablenkungen aus dem Weg zu schaffen."
Voriges Zitat"Ich habe festgestellt dass Menschen, die sich ausschließlich mit Literatur beschäftigen, ziemlich schnell altern und langweilig werden."
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Frau Jenny, wie haben Sie bisher diesen Sommer verbracht, haben Sie Urlaub gemacht oder hauptsächlich gearbeitet?
Jenny: Urlaub habe ich mir in den letzten Jahren gar nicht gegönnt. Jetzt habe ich es immerhin geschafft, für eine Woche ans Meer zu fahren. Bis Mitte November werde ich mit dem neuen Roman unterwegs sein. Danach werde ich wieder schreiben.
In Ihrem neuesten Buch "Ein schnelles Leben" wird das Thema Ausländerhass behandelt. Wie kamen Sie auf die Idee, gerade darüber eine Romeo und Julia Geschichte zu schreiben?
Jenny: In erster Linie geht es um die erste große Liebe die auf zwei junge Menschen einstürzt und die Probleme die sie mit sich bringt, wenn die Liebenden aus ganz unterschiedlichen kulturellen und sozialen Kreisen kommen. Sowohl Christian als auch Ayse müssen sich aus ihrer Herkunft emanzipieren, wenn sie ihre Liebe nicht verraten wollen. Inspiriert wurde ich vor allem in Istanbul und Berlin wo ich auch Recherche betrieben habe. Ein Vorgehen, dass für mich neu und sehr interessant war. Ich habe Interviews mit jungen türkischen Frauen geführt, die in Deutschland aufgewachsen sind, sowie mit einem Aussteiger der rechten Szene. Für diesen Roman habe ich mich intensiv mit Welten und Konflikten auseinander gesetzt, die mich schon lange beunruhigen und beschäftigen.
Die Protagonistin Aise wird von ihrem Lehrer gefördert. Wurde Ihr schriftstellerisches Talent auch schon in der Schulzeit entdeckt, und, wenn Ja, bekamen Sie Unterstützung von Lehrern?
Jenny: Leider nein. Ich habe mir immer einen Lehrer gewünscht der mich substantiell weiterbringen kann. Aber ich habe mich schrecklich gelangweilt und bin im Unterricht immer eingeschlafen. Unterstützt wurde ich damals nur von meinem Vater. Später dann von meinen Verlegern.
Warum sind Sie von der Frankfurter Verlagsanstalt zum Aufbau Verlag gewechselt? Oder trifft das nur auf dieses Buch zu?
Jenny: Ich wollte in einen größeren Verlag wechseln, der ein anderes Lektorat hat und andere Möglichkeiten als ein Kleinverlag.
Wie gehen Sie an eine neue Geschichte heran? Haben Sie einen festen Schreibrhythmus, bestimmten Platz zum Schreiben oder ähnliches?
Jenny: Ich bin zunächst eher chaotisch. Alle meine Bücher sind an verschiedenen Orten entstanden. Rom, Basel, New York, Berlin. Allerdings bin ich sehr diszipliniert, wenn ich wieder mal irgendwo einen Tisch gefunden habe und mich entschieden habe zu schreiben, und kompromisslos, wenn es darum geht, Ablenkungen aus dem Weg zu schaffen.
Sie schreiben auch Artikel für "Die Zeit" und verfassen Kurzgeschichten. Gehen Sie dabei anders vor als bei der Arbeit an einem Roman?
Jenny: Das ist natürlich eine ganz andere Art des Schreibens. Für einen Roman benötigt es zum einen eine ganz andere Organisation sowie auch einen anderen seelischen Einsatz. Bei einem Roman muss man sich total verschenken können, alle Tage und Nächte, alle Liebe, alle Wut, alle Trauer, alles was man ist und geben kann.
Ich habe gelesen, dass Sie an einem Drehbuch schreiben, beziehungsweise eins geschrieben haben. Steht inzwischen fest wie es damit weitergeht?
Jenny: Das Drehbuch musste ich zur Seite legen, weil mir der Roman dazwischen gekommen ist. Mal sehen, vielleicht ist ja jetzt der Zeitpunkt gekommen es wieder aufzugreifen.
Woran arbeiten Sie gerade? Gibt es schon Ideen für einen neuen Roman?
Jenny: Erst mal muss ich die Lesetournee hinter mich bringen, dann werde ich Zeit haben weitere Pläne zu schmieden, zum Beispiel einen Erzählungsband, der zu einem großen Teil auch schon geschrieben ist.
Man denkt von Autoren ja häufig, dass sie sich rund um die Uhr mit Literatur beschäftigen. Wie verbringen Sie Ihre Freizeit?
Jenny: Privat verkehre ich fast nur mit Menschen die mit Literatur überhaupt nichts zu tun haben, sich nicht einmal besonders dafür interessieren. Ich schreibe und lese ziemlich viel und habe von zu Hause aus immer mit Literatur zu tun gehabt. Ich habe festgestellt dass Menschen die sich ausschließlich mit Literatur beschäftigen, ziemlich schnell altern und langweilig werden.

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Welche Autoren oder Bücher haben Sie geprägt? Hatten Sie in Ihrer Schulzeit einen Lieblingsautor? Und was lesen Sie momentan am liebsten?
Jenny: In meiner Schulzeit war ich vor allem geprägt von Salinger und Hesse. Aber auch die Werke von Sylvia Plath, Carson Mc Cullers und Patricia Highsmith haben mich tief beeindruckt.
War es schon immer Ihr Traum, als Autorin zu arbeiten? Und könnten Sie sich auch einen anderen Beruf vorstellen?
Jenny: Ich finde schon den Gedanken einen Beruf haben zu müssen irgendwie abschreckend. Schreiben werde ich immer, aber ich kann mir durchaus vorstellen auch mal etwas anderes zu machen. An einem Film mitzuarbeiten zum Beispiel, das würde mich sehr interessieren, weil man mit anderen Menschen arbeiten und umgehen muss, also das Gegenteil vom Schreiben eigentlich wo man sich ja immer wieder von der Welt verabschieden und in Isolationshaft begeben muss.
Das Leben ist ein Comic, welche Figur sind Sie?
Jenny: Tintin am Titicacasee.
Online-Version: http://www.planet-interview.de/index.php?id=689 | © planet-interview.de | Foto: Susanne Schleyer
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